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nicht, in Ausdrücken wie non pas, non plus, non seulement, non recevable, non solvable und in vereinzelt daſtehenden Ausdrücken wie: à non-prix, fin de nomrece- voir, ſo wie in der Bedeutung nein anwendet.
Die altfranzöſiſche Sprache reichte bei jedem Verb mit der einfachen Verneinung ne aus; il me demanda par une foiz(fois) pourquoi je ne mettoye(mettais) de l'eau en mon vin. Joinv. I. 6; Et l'Admiral respondist que ja(jamais) Dieu ne l'auroit a desplaisir, (à déplaisir) puisque je ne l'avoye(l'avais) fait a mon escient ¹)(wißentlich). Joinv. I, 155; Grant(grand) mal avez fait, quant(quand) vous qui estes(ètes) mes enfans, n'avez fait a la premiere foiz(fois) ce que je vous ay(ai) commandé. Joinv. I. 14. Moult(beau- coup) tardoit a mes Chevaliers et a moy(moi) tous bleciez comme nous estions(tout blessés que nous étions) que n'estions dedans la bataille avecques les autres. Joinv. I, 103. Ich ſage, ſie reichte damit aus; denn eben ſo häufig findet ſich bei ne ein Wort, durch welches es verſtärkt wird, gewöhnlich pas, point, mie. Schon bei Joinville, alſo um die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, begegnen wir einer kleinen Zahl von Verben, welche ſich vorzugs⸗ weiſe mit dem bloßen ne begnügen; es ſind dieſes dieſelben Verba, welche noch jetzt ſo gebraucht werden, pouvoir, savoir, oser, cesscr. Joinv. II, 154. II, 101. I, 144. I, 114. Comines I, 3. Christ. de Pisan, Chap. 25. Auch vouloir gehörte dazu, welches ſpäter wieder die dop⸗ pelte Verneinung fordert; mais les Turcs ne vouldrent Cvoulurent) joindre a noz gens(nos gens) Joinv. I, 119; Si(ainsi) fera Nostre Seigneur au movais pescheur, qui pour sa menasse (menace) ne se veult(veut) amender. Joinv. I, 17.= alſo wird der Herr dem böſen Sünder thun, der ſich durch ſeine Drohung nicht beßern will. Andere Beiſpiele Joinv. I, 48; II, 102; II, 167; bei ſpäteren Schriftſtellern: Comme les communes de Flandres se furent rebellez contre leur Seigneur, et les fiefs de sa terre ne lui vouloient rendre ete. Christ. de Pisan, Chap. 15.
Die Wörter, durch welche ne verſtärkt, vervollſtändigt wird und welchen man den Namen Füllwörter gegeben hat, ſind im Altfranzöſiſchen, außer den noch jetzt üblichen pas(Schritt) und point(Stich, Punkt) beſonders die Subſtantiva mie,(Krume, Krümchen), goutte,(Tropfen) maille,(Maſche, Heller), mot(Wort) gudre, und andere weniger allgemein gewordene, welche wir ſpäter anführen werden. Dieſe ſämmtlichen Subſtantiva bedeuten etwas Poſitives, enthalten jedoch den Begriff des Wenigen, Unbedeutenden, gleichſam des Nichtigen und waren deshalb zur Ergänzung des ne geeignet. Je nach ihrer Bedeutung ſind ſie von verſchiedener Wirkung; ſo kann z. B. pas die Negation nicht ſo bedeutend verſtärken als die genannten übrigen Wörter, z. B. point; es würde dieſes erſt möglich werden, wenn jede Erinnerung an die urſprüngliche Bedeutung dieſer Füllwörter verſchwunden wäre. Der theoretiſchen Betrachtung liegt es nahe, dieſen Wörtern dasjenige Verbum zuzutheilen, welches ihrem Begriffe angemeßen iſt. So ſcheinen für das Wort pas(Schritt) die Verba der Bewegung am meiſten geeignet; point (Stich) dürfte zunächſt auf das Verbum nähen führen: je ne couds point= ich nähe nicht Stich, keinen Stich; zu goutte(Tropfen) paſst trinken, zu mie(Krume) manger am beſten. Die Sprache iſt jedoch anders verfahren; die ſinnliche Vorſtellung, welche anfangs bei dieſen
¹) escient; aus dem lat. Particip sciens als Subſtantiv gebildet, wie insu= à Pinsu de, à mon insu etc. aus dem lat. Adjectiv inscius.


