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warten. Tout est sujet, sagt Hugo, tout relève de l'art. L'art n'a que faire des lisières, des menottes, des baillons; il vous dit: Val et vous lache dans ce jardin de poésie ou il n'y a pas de fruit défendu*). Darum fordert er zum Aufgeben der alten Poetik auf. Mettons le marteau dans les théories, les poétiques et les systémes. Jetons bas ce vieux plâturage qui masque la facade de l'art! Je n'y a ni règles, ni modéèles; ou plutôt il n'y a d'autres règles que les lois générales de la nature qui planent sur P'art tout entier, et les lois spéciales qui, pour chaque composition, résultent des conditions d'existence propres à chaque sujet**).
Das Gebiet, welches der Poesie durch diese und ähnliche Aussprüche eingeräumt wurde, war im Vergleich mit dem engbegrenzten Felde der klassischen Dichtung, ein unermessliches. Die neu errungene Freiheit machte die Schöpfung wahrer Meisterwerke möglich, aber sie schuf auch zu Anfang viel Verzerrtes und Massloses. Die Reform betraf vorzüglich das Drama und die Lyrik. In Betreff des Dramas verwarf die romantische Schule die alte Eintheilung in Trauerspiel und Lustspiel und stellte das Shakspeare'sche Drama, in welchem beide Gattungen verschmolzen sind, als Muster auf. Es ist nicht zu verwundern, dass diese schwierigste aller poetischen Gattungen eigentlich nur von dem bedeutendsten dieser Dichter, von V. Hugo an- gebaut worden und auch ihm nur bis auf einen gewissen Grad gelungen ist. Mit ungleich grösserem Erfolge wurde die Lyrik gepflegt; wahre Gefühle waren die Frucht des Strebens nach historischer Wahrheit, welchem die junge Schule huldigt. Ihre Lyrik steht so hoch über der klassischen, dass man kaum begreift, wie sie überall in dieser Vollendung möglich gewesen ist. V. Hugo, eine durch und durch lyrische Natur, selbst in seinen Dramen und Romanen, ist auch hier wieder der Meister.
Wir haben jetzt einen Vorwurf zu betrachten, welcher diesen Dichtern häufig gemacht worden ist, den Vorwurf, dass sie, besonders im Roman und im Drama, das Grässliche, Ent- setzliche mit Vorliebe behandeln. Dieser Vorwurf ist allerdings nicht abzuweisen, denn er trifft nicht bloss Schriffsteller wie Eugène Sue, welche von einer unbesonnenen Kritik nicht selten mit den vorzüglichsten der romantischen Dichter zusammengeworfen werden, sondern auch diese selbst. Wie V. Hugo dem Delille nachgerechnet hat***), wie viele Sonnenaufgänge er in seinen beschreibenden Gedichten besungen, wie viele Tiger, Kameele, Katzen u. s. w. er dargestellt habe, so hat man ihm die grosse Zahl von Mördern, Hinrichtungen u. s. w. vor- gerückt, welche sich in seinen Dichtungen finden. Diese Erscheinung erklärt sich jedoch aus der Stellung, welche die jungen, noch nicht anerkannten Dichter in der ersten Zeit einnahmen. Im Kampfe gegen die übermässige Nüchternheit des klassischen Geschmacks und gegen die engen Grenzen des für die Darstellung Zulässigen überschritten sie, welche Alles für poetisch
*) Les Orientales. Préface.. **) Cromwell. Préface.. ***) Siehe unsere Anmerkung bei Delille.
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