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Von grosser Wichtigkeit für sie war(von 1824 bis 1830) das treffliche Journal Le Globe — das Athenäum der französischen Romantik— in welchem sie ihre Ansichten begründeten und die Gegner widerlegten; noch wichtiger, dass bedeutende poetische Schöpfungen die neue Theorie stützten, Schöpfungen, gegen welche die Dürre und Farblosigkeit des gealterten Klas- sizismus einen grellen Abstich bildete. Um nichts zu versäumen, begleiteten sie mehrere ihrer Werke mit einer kritischen Vorrede, wie auch Corneille und Racine einst gethan hatten, wann sie die Kritik zu überzeugen oder zu versöhnen wünschten.
Die Vertheidiger des Klassizismus liessen es indessen an Widerspruch, Spott und Grobheit nicht fehlen. Wie sehr sie jedoch die Ueberlegenheit der jüngeren Dichter fühlten und deren zunehmende Gunst beim Publikum fürchteten, beweist der auffallende Umstand, dass sich ihrer sieben mit einer Bittschrift an Karl X. wandten, um wenigstens das Théatre francais vor dem Eindringen des romantischen Dramas zu schützen. Dieser Schritt, welcher ohnehin erfolglos war, entschied die öffentliche Stimme vollends zu Gunsten der Romantiker; der eigentliche Kampf hörte etwa mit dem Jahre 1830 auf, die Romantiker gaben den Globe, dessen sie nicht mehr zu bedürfen glaubten, auf; sie wirkten von jetzt an nicht mehr gemeinsam als Partei, und der Romantizismus lässt sich seitdem als ein neues, verjüngendes Element betrachten, welches in die französische Literatur übergegangen ist.
Nachdem wir hiermit die äussere Geschichte des Romantizismus erzählt haben, wenden wir uns zu der Betrachtung der hervorstechendsten Eigenthümlichkeiten desselben; wir können dabei um so kürzer sein, als in dem Vorhergehenden schon häufig Beziehung auf dieselben genommen werden muste. Eine ausführliche Charakteristik der bedeutenderen Dichter dieser Schule(Hugo, Lamartine, A. de Vigny, Sainte-Beuve, G. Sand, A. und E. Deschamps, de Musset Barbier, Nodier u. a.) verlangt unsere Aufgabe eben so wenig als sie mit den unserer Ab- handlung gezogenen Grenzen vereinbar sein würde. Wir werden uns besonders an V. Hugo halten müssen; dieser ist, wie er einer der grösten Dichter aller Zeiten ist, auch das Haupt der neuen Schule; er hat sich überdies theoretisch über sein Streben ausgespro chen, und in seiner Theorie, durch welche die Feinde aus dem Felde geschlagen wurden, haben seine Freunde eben so ihre Poetik gefunden wie die klassischen Dichter die ihrige in Boileau gehabt hatten. Seine wörtlich angeführten Aussprüche mögen zugleich als Probe seiner freien, vollen und frischen Sprache gelten.
Le romantisme tant de fois mal défini n'est, à tout prendre, et c'est sa définition réelle, que le libéralisme en littérature, sagt Hugo. In dieser Definition liegt die von den Romantikern so entschieden geforderte Berechtigung des menschlichen Geistes, alle Ereignisse, Gefühle und Ansichten auf seine Weise aufzufassen und zum Gegenstande der Dichtung zu machen. Nach dieser Ansicht soll forthin kein Dichter oder Kritiker über die Grenzen des Schönen und Er- habenen unbedingt aburtheilen; jeder Schriftsteller darf sich auf seine Gefahr frei bewegen und hat lediglich von dem Urtheil der Geschichte den Spruch über seine Schöpfungen zu er-


