Aufsatz 
Die neuromantische Poesie der Franzosen
Entstehung
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Unter den Vorläufern der neuromantischen Dichter nennen wir zuerst Beaumarchais, den geistigen Verwandten von Rabelais, Voltaire und Didérot. Er erweiterte das enge Gebiet der Sprache, indem er in seinen verwegenen Darstellungen die von der Akademie gezogenen Grenzen planmässig und keck überschritt. Ebenso bahnte er dem romantischen Drama den Weg, indem er, wie Didérot, in seinen Lustspielen wirkliche Zustände der Zeit mit grosser Treue darstellte. Beide Männer wollten das Theater zur Natur und zur Wahrheit zurück- führen.

Sodann nennen wir Bernardin de Saint-Pierre, eine überraschende Erscheinung im acht- zehnten Jahrhundert, weil er von allem dem was die Franzosen seiner Zeit waren, so ziem- lich das Gegentheil ist. Das frühe Lesen erbaulicher Bücher, besonders von Legenden und ein bewegtes Jugendleben er lebte in Deutschland, auf der Insel Malta, in Russland, Polen, in Westindien wirkte auf seine lebhafte Phantasie mächtig ein. Zuerst gab er seine schön geschriebene Reise, sodann die Etudes de la nature heraus. Ein Freund J. J. Rousseau's, welcher nehst dem frommen Fénélon sein Vorbild war, der Richtung der Encyklopädisten feind, benutzte er sein Lieblingsstudium, die Betrachtung der Natur, fast nur als ein Mittel, seiner ungläubigen Zeit den Herrn der Schöpfung zu verkündigen. Noch grösseren Bei- fall als dieses Buch fand seine idyllische Novelle Paul el Virginie, ein Lieblings- buch Napoleon's; ähnlichen Beifall die Chaumière Indienne. Sehr wahr ist Barante's Ur- theil: On oit, au milieu d'un siécle si éloigné de la simplicité des sentimenls et de la peinlure naive de la nalure, apparaitre, commeé par phénomeène, un éerit revétu de ces couleurs, dont l'usage paralssall perdu. La postérité aura peine àd comprendre que Paul et Virginie ail été composé à la ſin du 18e siécle. Durch seine reiche Phantasie, durch seine schöne Sprache, welche, um den in fernen Ländern gewonnenen Anschauungen KAusdruck zu geben, die Schranken der conventionellen Sprache sprengen muste, wie durch die beständige Beziehung seines ganzen Thuns auf Gotft, weist er, so vereinzelt er auch dasteht, auf die neue Dichtung hin, welche wenige Jahre nach seinem Tode auftrat*). 1

In vieler Beziehung mit ihm verwandt ist Chateaubriand(1769 1848), welchen die jüngeren Dichter mit grosser Verehrung nennen. Er legte in einer dem Christenthum feind- lichen Zeit ein entschiedenes chrislliches Bekenntnis ab. Sein Géenie du Chrislianisme, Les marlyrs und das Itinéraire à Jérusalem glänzen durch eine prächtige, nicht selten blendende Sprache, welche die Schöpfungen der früheren Dichter weit hinter sich lässt. Der Mann, der die Meere der alten und neuen Welt durchsegelt und auf dem Boden dreier Erdtheile

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*) Bernardin de Saint-Pierre erinnert vielfach an unseren deutschen Dichter Brockes,(r 1747), welchem jeder Spaziergang Andacht, die Natur ein Buch voll göttlicher Geheimnisse ist.Aus jeder Blüte wächst ihm die Frucht der Andacht; jedes Blättchen ist ihm beschrieben; jedes Maiglöckchen ist ihm eine mahnende Betglocke, jeder Frosch ruft ihm sein Merks! Merks! zu. Gervinus, Gesch. der poet. Nationallit. der Deutschen a. a. 0. Theil 3, S. 555.