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welchen der fruchtbare Delille,(1738— 1813) der vorzüglichste dieser Dichter, genoss*. Die Trauerspieldichter dieser Periode, La Harpe, der Kritiker, die beiden Arnault, Jouy, Baour-Lormian und andere haben kein poetisches Verdienst; höher als sie steht der jüngere Chénier.
Da die Reform der neuromantischen Dichter sich hauptsächlich auf das Drama und die Lyrik bezieht, so übergehen wir hier die übrigen Dichtungsarten, um uns der Betrachtung jener wichtigen Geschmacksveränderung zuzuwenden. Diese trat nicht plötzlich ein, sondern kündigte sich durch mancherlei Vorzeichen an. Schon Voltaire fand die Formen der franzö- sischen Poesie zu eng, die Sprache arm. Motre langue, sagt er, est une gueuse hiére à laguelle il faut faire Taumone malgré elle. In der Vorrede zu seiner Henriade spricht er von der Trockenheit(Séächeresse) der Sprache und sagt: de toutes les nalions polies la notrée est la moins poétique; dass aber sein Jahrhundert insbesondere der Poesie nicht förderlich sei, spricht er in den Worten aus: Vesprit géométrigue qui de nos jours S'est emparé des belles lettres, a encore élé un noureau frein pour la poésie*). Dieselbe Ansicht äussert Buffon, wenn er sich, um schöne Verse zu loben, den Ausspruch erlaubt: cela est beau comme de la belle prose***), ein Ausspruch, welcher ganz richtig ist, wenn man erwägt, dass die Prosa seiner Zeit weit poetischer war, als die dürr und prosaisch ge- wordene Poesie. Ueber die verkehrte Poetik klagt Rosset-t) in seinem Gedichte L'agricullure, (Paris 1774) er kündigt den Gottheiten der Mythologie mit aller Entschiedenheit den Dienst auf: Sourdes divinités, insensibles idoles,
Mes chants n'empruntent rien de vos secours frivoles. u. s. w.
Solche und ähnliche Stimmen beweisen, dass hie und da eine richtigere Einsicht und ein Verlangen nach etwas Besserem vorhanden war. Von eigentlicher Bedeutung für eine neue Entwickelung der Poesie sind jedoch erst die Schriftsteller, zu welchen wir jetzt über- gehen. Dass diese aber durch ihre neuen Schöpfungen und nicht durch neue Theorien so einflussreich wurden, beweist, wie verkehrt die ältere klassische Zeit der französischen Literatur verfuhr, wenn sie erst die Theorie verlangte und sodann Dichtungen, welche nach dieser Theorie geschaffen wären.
*) L'homme de la description et de la périphrase, ce Delille qui, dit-on, vers sa fin, se vantait, à la manière des dénombrements d'Homère, d'avoir fait douze chameaux, quatre chiens, trois chevaux, six tigres, deux chats, un jeu d'échecs, un trietrac, un damier, un billard, plusieurs hivers, beaucoup d'étés, force printemps, cinquante couchers de soleil, et tant d'aurores qu'il se perdait à les compter.
. Victor Hugo.
Und dies ist nicht übertrieben, denn Hugo hat jedenfalls den Esel vergessen, den Delille(Les trois règnes Ch. 3) nicht unbesungen davon kommen lässt: A force de malheurs P'ane est intéressant; heisst einer jener Verse.
**) Vorrede zur Henriade.
***) Mager, Versuch einer Geschichte und Charakteristik der franz. National-Literatur, a. a. 0.
†) Mager B. 2 S. 300.


