15
Bahnen von Planetoiden. Die Gesamtzahl der entdeckten Planeten würde aber weit über 600 sein, nur sind die übrigen nicht genügend durch Beobachtungen gesichert.
Wenn nun auch bei langer Belichtungsdauer die Planetenstriche meist deutlich in die Erscheinung treten, so können doch auf einer Platte ähnliche Bildungen, die nicht reell sind, zu Täuschungen Veranlassung geben. Wolf sagt hierüber:„Um einen sicheren Schluß zu ziehen, muß man mindestens zwei Platten derselben fHlimmelsgegend besitzen. Das genügt aber sehr oft auch noch nicht; es wird vielmehr meistens erforderlich sein, von derselben Himmelsgegend zwei zeitlich möglichst nahe aufeinander folgende Aufnahmen zu besitzen. Denn auf der zweiten Platte muß dann die Stelle, an welcher sich der Planetenstrich auf der ersten Platte befindet, leer sein, und der zweite Strich muß die Fortsetzung des ersten Striches bilden. Auf zwei Platten hingegen, deren Aufnahmen zeitlich weit auseinander liegen, wird eine Unreinlichkeit in Form eines Planetenstriches auf der einen Platte durch die andere Platte kaum kritisiert. Man weiß ja nicht recht, wie weit und in welcher Richtung der Planet gewandert ist.“ Da die unmittelbar hintereinander vorgenommene Aufnahme sehr zeitraubend (eine Aufnahnme beansprucht immerhin eine Zeit von zwei Stunden) und demgemäß infolge der notwendigen ununterbrochenen und genauen Kontrolle durch Pointieren am Leitstern auch sehr aufreibend ist, so benutzt Wolf zur Abkürzung dieser Arbeit zwei genau gleichartige Apparate. Zuerst öffnet er eine Stunde lang den einen Apparat, hierauf eine Stunde lang beide; dann schließt er den ersteren und pointiert noch eine Stunde lang den zweiten allein. So sind statt vier nur drei Stunden Belichtungsdauer erforderlich, während der Vorteil zweier unmittelbar aufeinander folgender Aufnahmen gewahrt bleibt. Auch die Untersuchung der Platten nach etwa auf denselben enthaltenen Planetenspuren ist sehr anstrengend und erfordert viel Zeit.„Die Platte wird mit der Schichtseite schräg nach unten auf ein Gestell gelegt, das wie ein Retouchierpult gebaut ist. Auf die Rückseite der Platte hält man mit der Hand eine Aufsatzlupe und sucht damit die Platte Gesichtsfeld um Gesichtsfeld genau ab und vergleicht sie mit der daneben liegenden Vergleichsplatte.“ Eine sehr große Erleichterung hierin brachte der von Pulfrich bei Carl Zeiß in Jena konstruirte Stereckomparator. Derselbe zeigt bei zwei zu verschiedenen Zeiten von derselben Himmelsgegend aufgenommenen Photographien die Planeten weit vor den Fixsternen schwebend, und er läßt selbst bei zwei in kurzem Intervall hintereinander aufgenommenen Platten einen Planeten deutlich vor den Fixsternen hervortreten. Da jede Verschiedenheit auf den verglichenen Platten beim Betrachten mit dem Stereokomparator sofort ins Auge fällt, ist derselbe zur Auffindung von Planetenspuren ganz hervorragend geeignet.(Siehe Pulfrich in„Zeitschrift für Instrumentenkunde“. Berlin 1903).
Zum Schluße mögen noch einige kurze Bemerkungen über die Anwendung der photo- graphischen Methode auf das Studium und die Darstellung der Oberfläche des uns nächsten Himmelskörpers, des Mondes, folgen. Die Objekte des Mondreliefs treten am deutlichsten an der Beleuchtungsgrenze hervor. Im nichtbeleuchteten Teil der Mondoberfläche ist naturgemäß gar nichts zu sehen; auf dem vollbeleuchteten Teile versinnlichen helle und verwaschene graue Flecken die Hlöhen und Tiefen des Bodenreliefs. An der Beleuchtungsgrenze dagegen liegen Licht und Schatten hart nebeneinander; die Krater, Ringgebirge, Wallebenen und Gebirgs- züge, kurz alle Objekte erhalten eine ungemein scharfe Modellierung, sodaß selbst kleine Onebenheiten im Terrain sichtbar werden, indem sie ihr Dasein durch die Schatten, welche sie werfen, verraten. Nun leuchtet ein, daß diese sehr verschiedenen Lichtverhältnisse in den einzelnen Teilen der Mondoberfläche bei der photographischen Aufnahme sehr störend werden


