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erreicht; für dieselbe Zeit nimmt auch der äquatoriale Durchmesser im Vergleich zu dem polaren nach Ausweis der Heliometermessungen zu. Und wie das Fleckenmaximum des Jahres 1883 geringer ist als das des Jahres 1870, so ist auch die Zunahme des Aquatordurchmessers 1883 nicht so ausgesprochen wie 1870. Auch im Jahre 1893 trat ein Maximum der Sonnen- flecken auf, und die Zahl derselben nahm im Jahre 1894 schnell ab. Dementsprechend zeigen auch die Wilson'schen Photographien eine Abnahme des Aquatorialdurchmessers im Vergleich zum polaren. Es scheint also das Verhältnis der beiden Durchmesser der Sonne ein veränder- liches zu sein, und die Periode dieser Veränderlichkeit scheint dieselbe zu sein, wie diejenige
der Sonnenflecken.
Wenig erfolgreich war die Anwendung der Photographie auf die Erforschung der Ober- flächen der Planeten. Die Ergebnisse waren so wenig zufriedenstellend, daß selbst die von den Brüdern Henry aufgenommenen photographischen Darstellungen von Jupiter und Saturn, sowie auch die auf der Lick-Sternwarte vom Jupiter erhaltenen, obgleich sie zu den am besten gelungenen gehören, nicht annähernd jene Feinheiten und Details zeigen, die man selbst mit mittleren Fernrohren sehen und sogar messen kann. Die fHlandzeichnungen, welche von Keeler und Weinek geliefert wurden, sind durch die Photographie längst nicht erreicht, geschweige denn übertroffen, und solche Darstellungen, wie sie von verschiedenen Astronomen vom Mars hergestellt wurden, auf photographischem Wege zu erzielen, ist bis jetzt voll- kommen ausgeschlossen.
Desto größere Triumpfe feierte die Photographie bei der Aufsuchung, beziehungsweise Entdeckung der Planetoiden. Der Erste, der hierbei die flimmelsphotographie in Anwendung brachte, ist Professor Dr. Max Wolf in kleidelberg. Er ging von dem Gedanken aus, daß bei tadellos funktionierendem Uhrwerk und unausgesetztem, sorgfältigem Pointieren, alle Fix- sterne sich selbst bei mehrstündigem Exponieren als Pünktchen oder Scheibchen abbilden müssen, während ein Planet infolge seiner Eigenbewegung sein Dasein durch das Auftreten eines längeren oder kürzeren Striches dokumentieren müsse. Das erste Ergebnis hatte Wolf am 22. September 1891, als es ihm gelang, den verloren gegangenen Planetoiden(275) Sapi- entia wiederzufinden und gleichzeitig einen neuen,(323) Brucia, zu entdecken. Wolf bediente sich bei seinen Arbeiten anfangs einer 5 zölligen Porträtlinse von Kranz, seit Februar 1892 dagegen einer 6 2ölligen von Voigtländer mit dem Verhältnisse 1:5 zwischen Offnung und Brennweite, also eines Instrumentes von kurzer Brennweite, welches nur schwache Vergrößer- ungen ergibt, aber sehr lichtstark ist und ein großes Gesichtsfeld umfaßt. Seit dem ferbste des Jahres 1900 verwendet Wolf außerdem noch einen doppelten Sechzehnzöller, das Bruce- Telescop, zur gelegentlichen Aufsuchung schwächerer Planeten, deren Orter zu bestimmen sind. Dabei wird grundsätzlich nur nach alten, sogenannten„hilfebedürftigen“, nie nach neuen, noch unbekannten Planeten gesucht. Auf diese Weise wurden im Jahre 1904 auf dem Astro- physikalischen Institut Königstuhl bei Heidelberg im ganzen 150 verschiedene Gegenden des fiimmels auf Planeten hin aufgenommen. Dazu und zur Verfolgung einzelner Planeten wurden insgesamt 178 verschiedene Aufnahmen mit 441 Platten und 435 Stunden Belichtung gemacht. In diesen 150 verschiedenen Gegenden fanden sich neben 132 alten 50 neue Planeten. Neben Wolf haben sich an der Verfolgung der kleinen Planeten mit flilfe der Photographie namentlich Charlois in Nizza und Palisa in Wien beteiligt, und die Wissenschaft erzielte mit dieser Methode eine reiche Ernte an bisher unbekannten und großenteils sehr lichtschwachen Planetoiden. So ergibt das Berliner Jahrbuch für 1905/06 573 berechnete


