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auch streifigen Gebilden Platz, so daß man annehmen darf, daß innerhalb dieser Flächen die
photosphärischen Massen sehr heftigen Bewegungen ausgesetzt sind, welche die Granulation verwirren. Auch über die Form und Gestaltsänderungen der Sonnenflecken und Sonnen- fackeln lieferten die photographischen Sonnenaufnahmen neue und interessante Erkenntnisse.
Von ganz besonderem Nutzen erwies sich die Sonnenphotographie bei totalen Sonnen- finsternissen. Sie bietet in diesem Falle das geeignetste Mittel für das Studium der Korona
und der Protuberanzen, deren Natur jetzt wohl allgemein als bekannt angenommen werden
dürfte. In dieser flinsicht sind namentlich die Arbeiten des bereits genannten Schaeberle bahnbrechend gewesen.—..
In neuester Zeit hat Charles Lane Poor aus einer Reihe zu verschiedenen Zeiten auf- genommener Photographieen der Sonne eine neue Beohachtung bezüglich der Gestalt der Sonne abgeleitet.(cf. Astrophysical. Journal 1905, vol. XXII, pag. 103— 114, sowie auch den
Bericht in der naturwissenschaftlichen Rundschau 1906, fieft 6, pag. 73 f.) 22 durch Lewis
M. Rutherfurd aufgenommene Sonnenphotographieen, von welchen 4 im Jahre 1870, 8 im Frühling und Sommer 1871 und 10 im Frühling und Sommer 1872 hergestellt waren, wurden
auf dem Recheninstitute der Sternwarte der Columbia University durch Miss fHlarpham und
Miss Davis einer doppelten Ausmessung unterzogen. fierbei wurden die Differenzen zwischen dem Polar- und Aquatorialradius der Sonne an den einzelnen Daten zusammengestellt. Während die Differenzen Polarradius minus Aquatorialradius in jedem einzelnen Jahre ziemlich gut übereinstimmten, waren deren Mittelwerte für die verschiedenen Jahre sehr von einander abweichend. Sie betrugen für 1870(22. September):+ 0,50“, für 1871(19. Juli):— 0,32“, für 1872(2. Juli):+ 0,22“. Hieraus Schließt Herr Poor, daß in diesen 3 Jahren die Gestalt der Sonne sich wirklich verändert habe: Der Aquatorialdurchmesser hat im Vergleich mit dem Polardurchmesser erst zugenommen und dann wieder abgenommen. Durch dieses Ergebnis wurde flerr Poor veranlaßt, eine sehr große Zahl von Heliometermessungen, die schon von Auwers behandelt worden waren, einer neuen Berechnung zu unterziehen. Er brachte die Beobachtungen in zwei Reihen: von September 1873 bis Januar 1875 und von Mai 1880 bis Juni 1883, und ordnete jede der beiden Reihen nach der Zeit der Einzelmessungen. In der ersten Reihe zeigte sich nun, daß in den ersten Messungen der äquatoriale Durchmesser etwas
gröber war als der polare, während in den späteren der Polardurchmesser entschieden größer
war. Und diese Anderung der Differen⸗ zwischen den beiden Durchmessern entspricht voll- kommen der für die Jahre 1871— 1872 aus den Messungen der photographischen Aufnahmen
gefundenen. Auch in der zweiten Reihe ergab sich eine fortschreitende Differenz der beiden
Durchmesser: der Aquatordurchmesser war entschieden länger als der Polardurchmesser; die Anderung der Differenz war also die entgegengesetzte wie für die Jahre 1874 bis 1875, in
denen der Aquatorialdurchmesser kürzer wurde. Auch aus 5 Sonnenphotographien, welche Dr. Wilson in den Jahren 1893 und 1894 erhalten hatte, und die Poor in der gleichen Weise
wie die Rutherfurd'schen Platten ausmessen ließ, fand er ein Kleinerwerden der Differenz der
beiden Durchmesser. Nunmehr schritt Poor zu einer Berücksichtigung der Zahl der Sonnen-
flecken während der angegebenen Zeiten. Ende 1870 war ein Fleckenmaximum eingetreten,
von dem ab ihre Zahl bis 1876 abnahm. Nun zeigten gerade vor dem Maximum die Platten ein Wachsen des Aquatorialdurchmessers, während für die Jahre 1871 bis 1876 die Platten wie die feliometermessungen eine Abnahme des Aquatorialdurchmessers erkennen lassen. Von 1880 bis 1883 nahm die Zahl der Sonnenflecke zu, das Maximum wurde Ende 1883


