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12 größere Unbeständigkeit der Gestaltsverhältnisse aufweisen, als man bis dahin auf Grund der direkten Beobachtungen anzunehmen geneigt war. Und diese Veränderungen gehen zuweilen so rasch vor sich, daß sie bei längerer Belichtung sogar das photographische Bild beeinflussen, so daß dieses nicht einen bestimmten Zustand während einer bestimmten Zeit darstellt, son- dern ein während der Dauer der Belichtuns aus mehrfachen Formveränderungen kombiniertes. Durchschnittsbild..
Daß bei photographischen iinnelsauinanmen auch gelegentlich neue Kometen aufge- funden wurden, ist nach dem, namentlich bei der Aufnahme von Nebeln Gesagten, eigentlich zu erwarten. Besonders interessant in dieser finsicht ist folgender Fall. Während der totalen Sonnenfinsternis am 16. April 1893 hatte die von der Lick-Sternwarte nach Chile entsandte Expedition eine Anzahl photographischer Aufnahmen gemacht. Bei der Durchmusterung dieser Aufnahmen entdeckte Schaeberle zwischen den Strahlen der Korona einen Kometen, welcher dann auch auf den von anderen Expeditionen gemachten Aufnahmen gefunden wurde, so auch auf den Platten der von der englischen Expedition in Afrika gemachten. Bei der Vergleichung ergab sich nun, daß der Komet auf den englischen Platten. gegenüber seinem Orte auf den amerikanischen um 10 Bogenminuten voraus war. Da nun zwischen den Aufnahmen in Afrika und denen in Chile eine Zeitdifferenz von 1 ¼ Stunden lag, so ergibt sich, daß jener Komet in seiner Sonnennähe eine tägliche Bewegung von 3 ⅓l Grad hatte. Dieses höchst interessante Ergebnis verdankt man ausschließlich der Hlimmelsphotographie.
Wir wenden uns nunmehr der Anwendung der Photographie auf die Körper unseres Sonnensystems zu. Bei der photographischen Aufnahme der Sonne bedingt die ungeheure Leuchtkraft derselben die Anwendung der Momentphotographie, und zwar kommt hierbei eine Belichtungsdauer von/1 bis /½2ο° Sekunde in Betracht. Janssen, dessen Sonnenaufnahmen sich durch Größe und Deutlichkeit des Details unter allen in der neuesten Zeit aufgenommenen ganz besonders auszeichnen, geht sogar auf /3000, ¹/1000, ja auf /5oo einer Sekunde herab. Solch kurze Expositionen erreicht Janssen durch folgende Einrichtung. Er schaltet im optischen Brennpunkt des Obiektivs eine Platte ein, welche in der Mitte eine kreisförmige Offnung besitzt. Diese Offnung wird durch eine zwiscllen Führungsröllen bewegliche, durch einen Spalt von verstellbarer Weite versehenen Platte bedeckt, welche dem Lichte nur dann den
Durchgang gestattet, wenn der Spalt bei der Bewegung der Platte gerade über jene Offnung
zu stehen kommt. Die bewegliche Platte, welche von Federn nach der einen Seite gezogen wird, wird durch einen Faden festgehalten. Beim Durchschneiden des Fadens muß also die
Platte mit dem Spalt in großer Geschwindigkeit vor. der Offnung vorüberschnellen, und damit 1 diese Bewegung vor der Offnung mit gleichförmiger Geschwindigkeit vor sich geht, ist die 4
Einrichtung getroffen, daß die Federn genau in dem Augenblicke zu wirken aufhören, in welchem der Spalt an der feststehenden Offnung anlangt, sodaß also von da ab der Verschluß nur mehr mit der bis dahin erlangten Geschwindigkeit sich bewegt. Eine besondere Vorricht- ung gestattet, diese Geschwindigkeit genau zu bestimmen. Die von Janssen auf solche Weise erhaltenen Sonnenaufnahmen zeigen die schon früher erkannte Granulation der Sonne mit großer Schärfe und Bestimmtheit. Das bemerkenswerteste Ergebnis aus Janssens Photo-
graphien ist indes dasjenige, was er unter dem Namen des„photographischen Netzes“ begreift.
Es ist dies nicht ein Netzwerk von Linien, sondern eine weitere Teilung der Photosphäre in- Gegenden, in denen die„Reiskörner“ hart und gut begrenzt erscheinen, und in solche, in welchen sie weich und verwaschen aussehen. fHläufig machen die nierdurch gebildeten Figuren


