Aufsatz 
Die Anwendung der Photographie in der Astronomie
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

schicht, soweit, daß man mit einer Belichtungsdauer von zwei Sekunden recht befriedigende Resultate erhielt. Auch die erste photographische Aufnahme einer Sonnenfinsternis wurde am 28. Juli 1851 vorgenommen. Einen großen Schritt vorwärts machte Rutherfurd, indem er ein Instrument ersann, in welchem der optische und der chemische Brennpunkt zusammenfielen. Eine Fixsternaufnahme zeigte Fixsterne bis zur 10. Größe herab, und eine im März 1865 bewerkstelligte Mondaufnahme ergab ein 1 ½ cm großes Fokalbild, welches eine zwanzigfache Vergrößerung vertrug, ohne durch das sich mit vergrößerndeKorn der Kollodiumschicht zu leiden. Weitere Ausbildung und Verbesserung fand das neue Hlilfsmittel der Astronomie durch Draper, Warren de la Rue, Wolf und Rayet und durch Pllery.

Ein wesentliches Hlindernis in der Entwicklung dieser Technik bildete die ältere photo- graphische Methode, nämlich dasnasse(Kollodium) Verfahren. Die Kollodiumplatten waren immerhin nur wenig empfindlich und vertrugen keine lange Belichtung, auch konnten sie nur im nassen Zustande verwendet werden und verloren mit dem Trockenwerden ihre Brauchbar- keit. Dieses Hindernis wurde beseitigt durch die von dem englischen Arzte Maddox erfun- denen Bromsilber-Gelatineplatten oderTrockenplatten, welche den Vorteil beständiger Gebrauchsfähigkeit mit dem hoher Empfindlichkeit verbanden, wozu noch ihre leichte Behand- lung und die tadellose Güte erprobter Fabrikate kommt. An ihrer Verbesserung wird noch

immerwährend gearbeitet und damit fland in Hand geht die weitere Vervollkommnung der

astronomischen Instrumente und der photographischen Apparate.

Noch immer blieb die Schwierigkeit zu überwinden, welche durch die teils scheinbare, teils eigene Bewegung der himmlischen Objekte hervorgerufen wird. Zur Kompensierung der scheinbaren Bewegung der Sterne bedient man sich eines sehr genau gehenden Uhrwerks, welches dem Instrumente eine ähnliche, aber entgegengesetzte Bewegung erteilt, wie sie die Erde täglich vollführt. Aber selbst das beste Uhrwerk wird durch äußere Einflüsse(Staub, Temperaturwechsel, Eintrocknung des Oles u. dergl.) in seinem regelmäßigen Gange beeinflußt, und so erwächst dem Astronomen die Aufgabe, während der ganzen oft stundenlangen Belicht- ung das Uhrwerk aufs genaueste zu kontrollieren, um jede kleine Unregelmäßigkeit des Ganges sofort unschädlich machen zu können. Zur Ausübung dieser Kontrolle(?um Pointieren) bediente man sich zuerst des an jedem größeren Instrumente angebrachten Suchers, wobei das abzubildende Objekt(oder irgend ein bestimmter Fixstern) stets genau im Durchschnitts- punkte des Fadenkreuzes festgehalten werden mußte, da alsdann auch die photographische Platte immer genau auf denselben Punkt des Himmels gerichtet sein sollte. Doch zeigte sich hierbei sehr bald eine neue Fehlerquelle, indem die Durchbiegung des Fernrohres je nach der Lage des Instrumentes eine andere ist als die des Suchers, sodaß der notwendige Parallelismus der beiden optischen Achsen verloren geht und es so vorkommen kann, daß ein Stern im Sucher genau festgehalten wird, während dies von demselben Stern auf der Platte nicht mehr zutrifft. Zur Beseitigung dieses Übelstandes wurden verschiedene Wege eingeschlagen; am besten begegneten demselben die Brüder Henry in Paris, indem sie ein Instrument in Gebrauch nahmen, bei dem gewissermaßen zwei Rohre in einem vereinigt sind. Von den beiden Objektiven, die gleiche Brennweite haben, dient das eine für die photographische Aufnahme, das andere zum Festhalten des himmlischen Objektes. Der nach diesem Principe gebaute

photographische Doppelrefraktor des astro-physikalischen Observatoriums zu Potsdam, das erste

in Deutschland aufgestellte Instrument dieser Art, gefertigt von der Firma A. Repsold und Söhne in flamburg, zeigt einen fast elliptischen Querschnitt, weil es zwei Fernrohre in sich