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tragen sogar noch die Spuren ihres ehemaligen Bilderschmuckes. Es wird angenommen, dafs auch ein Teil des Augustushauses damals verschüttet wurde, denn hier und weiter seitwärts da, wo das französische Nonnenkloster erbaut ist, muſs jene erste kaiserliche Wohnung gelegen haben.
Das Elternhaus Oktavians stand am Palatin in einer uns unbekannten Gegend, welche den Namen ad capita bubula führte. Als Mann wohnte Augustus zuerst neben dem Forum und später auf dem Pa- latin in einem Hause, das er dem bekannten Redner Hortensius abgekauft hatte. Sueton erzählt, daſs dies eine sehr bescheidene, durchaus nicht luxuriös eingerichtete Wohnung gewesen sei; nur kurz waren die Säulengänge, die Zimmer prangten weder mit Marmor noch mit kunstvollem Mosaik. Aber diese Ein- fachheit gefiel gerade dem neuen Besitzer. Mehr als vierzig Jahre blieb er Sommers und Winters in Rom, obwohl er das Klima der Stadt während der kühleren Jahreszeit gar nicht gut vertragen konnte. Doch vergals der Kaiser über seiner eigenen Bequemlichkeit nicht die Pflicht der Repräsentation. Deshalb kaufte er einige seiner Nachbarhäuser an und verband sie mit dem seinigen. Aufserdem erbaute er an derjenigen Stelle seines Besitztums, in welche der Blitz eingeschlagen hatte, dem Apollo einen pracht- vollen Tempel und legte zugleich eine griechische und eine lateinische Bibliothek an. Als er pontifex maximus geworden war, machte er sein Haus zum Staatseigentum, um auch als Oberpriester hier wohnen zu können. Denn er wollte nicht in die priesterliche Amtswohnung, in die Regia, hinabziehen, weil er bestrebt war, die Aufmerksamkeit des Volkes von dem Forum der Republik wegzulenken zum kaiserlichen Berg. Der Grundrils des Hauses ist nach den Mauerspuren hergestellt, die man fand, als das französische Nonnenkloster restauriert wurde. Doch ist es nicht möglich, nach der Zeichnung allein die Bestimmung der einzelnen Räume genau anzugeben, die Ruinen selbst aber sind jetzt nicht mehr zugänglich.
Neben der domus Augustana wird in den alten Stadtbeschreibungen die domus Tiperiana genannt
[20]J. Auch sie ist jetzt zum gröſsten Teile vom modernen Boden bedeckt, reizende Gärten mit blühenden Rosenhecken verbergen uns die düstern Mauern. Nur die dem Circus zugewandte Palastseite ist freigelegt. Der zweite Kaiser Roms war ebenfalls auf dem Palatin geboren, wahrscheinlich in der kleinen Wohnung, welche unmittelbar hinter dem Tiberischen Palast liegt. Dies sogen. Haus der Livia[19], welches durch seine gut erhaltenen Wandgemälde pesonders bekannt geworden ist, hat die Einteilung eines römischen Privathauses. Nach dem Atrium hin öffnet sich das Tablinum, welches auf beiden Seiten von kleinen Zimmern, den sogen. alae, begrenzt wird. Die Südseite nimmt ein reich geschmückter Raum ein, der zum Speisesaal gedient haben mag. Der nach Osten gelegene hintere Teil des Hauses war zu Wirtschafts- zwecken verwandt. Auffallend ist es, dals man durch das enge Vestibulum zum Atrium hinabgeht. Das kann unmöglich von vorn herein so angelegt worden sein. Vielmehr muls sich die Umgebung des Hauses geändert, der Boden sich durch neue Bauten erhöht haben. Als Tiberius nebenan seinen Palast errichtete, wollte er sein väterliches Haus nicht abreifsen, sondern erhielt es so gut als möglich und überliels das tiefgelegene, bescheidene Häuschen seiner Mutter als Witwensitz. Später ging die Wohnung, die man mit einem„Prinzenpalais“ vergleichen kann, an die Familie des Germanicus über. Tiberius selbst wohnte im neuen Palast, der sich dem alten des Augustus gegenüber stolz erhob und freien Blick auf Forum und Capitol gewährte. Über das Innere dieses Baues wissen wir nichts Genaueres. Aber an der dem Liviahause zugewandten Seite ist eine Reihe gewölbter Zimmer freigelegt. Ihre Wände sind von müſsigen Händen beschrieben, und der Inhalt der Worte und der Zeichnungen macht es wahrscheinlich, daſs hier Wachlokale von Soldaten waren.
Der Neronische Brand richtete gerade in der X. Region, zu welcher der Palatin gehöorte, arge Verwüstungen an. Ein Teil der Mauern blieb natürlich stehen, und so konnte das kaiserliche Palais in kurzer Zeit restauriert sein. Galba wohnte bereits wieder im Palatium und mit ihm die drei einflufsreichsten Männer, T. Vinius, C. Laco und der freigelassene Icelus, welche das Volk scherzweise des Kaisers Erzieher nannte. In seinem eigenen Hause sollte dieser Imperator auch ermordet werden, doch fürchtete Otho die Aufmerksamkeit der Leibcompagnie. Deshalb verbreitete er an dem Tage, an welchem er mit Hülfe der unzufriedenen Prätorianer den Staatsstreich ausführen wollte, das falsche Gerücht, daſs die Unruhen im Lager vorüber, er selbst getötet sei. Nachdem er hierdurch den leichtgläubigen Galba verleitet hatte, ohne zuverlässige Bedeckung zum Forum hinabzugehen, lieſs er ihn hier von Reitern über- fallen und ermorden. Otho selbst hatte in der Frühe den Kaiser feierlichst begrüfst, dann aber war er, wie Tacitus sagt, unter dem Vorwand, mit einigen Sachverständigen ein zum Kauf angebotenes Haus besichtigen zu müssen, fortgeeilt, per domum Tiberianam in Velabrum, inde ad milliarium aureum sub aedema Saturni. Sueton berichtet, dals er seinen Weg durch den zurückgelegenen Teil des Palatiums genommen habe. Vergleicht man diese beiden Stellen mit einander, so merkt man leicht, daſs das Haus


