Aufsatz 
Aus dem alten Rom : Ein Brief an die Schüler des Gymnasiums / vom Gymnasiallehrer Lohr
Entstehung
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sich an dem bunten Leben im Thale von der domus Gelotiana aus. Von diesem Gebäude rühren wahr- scheinlich die ansehnlichen Reste her, denen wir bei No. 16 unseres Planes begegnen. Der adjektivische ZusatzGelotiana, der von dem Namen eines früheren Besitzers abzuleiten ist, wurde auch nach dem Umbau des Hauses beibehalten, um es von den übrigen Teilen des Palastes bequem unterscheiden zu können. Die Einrichtung desselben, von der wir noch die Überreste haben, rührt, wie aus den Ziegelstempeln hervorgeht, aus der Zeit Hadrians her, und es paſst zu dem Charakter dieses Kaisers sehr gut, daſs er hier ein paedagogium anlegte. Unter einer solchen Anstalt dürft ihr euch nun nicht eine Lateinschule oder gar ein humanistisches Gymnasium vorstellen, sondern eher ein Erziehungshaus für Pagen. Junge Leute wurden hier in höfischer Kunst und Sitte unterrichtet, und oft gingen aus diesen Instituten die einfluſsreichsten Hofmänner hervor. Deshalb traten strebsame Knaben gern ein, wie z. B. aus der Grab- schrift eines siebzehnjährigen Zöglings einer ähnlichen Anstalt hervorgeht, welcher darin klagt, daſs er dem Studium zu früh entrissen sei: ,discessi ab urbe in praetorio Caesaris, ubi dum studerem, fata mihi inviderunt raptumque ab arte tradiderunt hoc loco. Mehrfach werden die pueri Caesarum inschriftlich erwähnt, wie auch ihre Lehrer, die praeceptores Caesarum oder paedagogi puerorum.

In unserem Pädagogium erkennt man noch den Platz des Säulenhofs, der rechts und links von kleinen Zimmern eingefafst ist. Nur die der linken Seite, welche sich um einen antiken Salon, eine Exedra, gruppieren, sind erhalten und erregen durch die Inschriften, welche ihre Wände tragen, ein ganz besonderes Interesse. Die eingekratzten Worte rühren zum Teil von jungen Leuten her, welche das Pädagogium ver- liefsen, wie folgende:

CORIN

THVS EXIT

DE PEDAGO 610

Diesem Corinthus, der an einer anderen Ecke seinen Austritt noch einmal inschriftlich beglaubigt hat, scheint diese Art der Erziehung nicht recht zugesagt zu haben, sein zweimaligesexit klingt mir wenigstens wie ein Triumph darüber, dafs er nunmehr der Gewalt der Pädagogen entwachsen ist.

Vielen Namen sind die Buchstaben VDN beigefügt, einige Male ist auch das mit V bezeichnete Wort zu VERNA ausgeschrieben, so dafs alle diese Abkürzungen verna domini nostri zu lesen sind. Es wurden also in diesem kaiserlichen Institut hauptsächlich Kinder der Hofdiener erzogen. Doch bildete die Jugend selbstverständlich nicht die einzige Bevölkerung des Hauses, es lag darin auch eine Wache von Soldaten, welche an der ziemlich abgelegenen Stelle des Berges besonders nötig war. Einige dieser Wache- habenden haben auch ihre Namen verewigt und zugleich durch ein zugesetztesperegrinus verraten, dals sie zu dem aus Fremden bestehenden Truppenteile gehörten. Da derselbe seine Hauptkaserne auf dem benachbarten mons Caelius hatte, so ist es sehr natürlich, dals von ihr aus der Posten in der domus Gelotiana beschickt wurde. Auch die Knechte für die schweren Arbeiten und die mit der Verwaltung des Ganzen betrauten Sklaven können nicht gefehlt haben.

Es ist somit ein ganz belebtes Bild, das sich vor unseren Augen in diesen verlassenen Zimmern entrollt. In den kleinen kühlen Räumen lernen die jungen Herrn ihr Pensum, dort am Eingang treiben sich mülsige Soldaten umher, andere sitzen in der luftigen Exedra und erzählen sich mit vielen Worten ihre Abenteuer. Während solcher nicht ganz neuen Vorträge hatten dann die Zuhörer Zeit genug an anderes zu denken, und ihre geistreichen Einfälle ritzten sie schleunigst in die Wände ein. Zuweilen fügten sie auch ein Bildchen hinzu, Circuspferde, Netzkämpfer oder andere Erinnerungen aus der Arena. Die Schüler scheinen sich damals schon gerade so gern unter einander geneckt zu haben wie heute. Wenigstens steht in einem der kleinen Zimmer der Name LIBANVS und von anderer Hand ist darunter geschrieben: EPISCOPVS; an einer anderen Stelle heifst es nochmals: LIBANVS EPI. Ohne Zweifel hatte dieser Zögling die böse Angewohnheit, seine Mitschüler anzuzeigen und deshalb wurde er von seinen Kameraden derAufpasser genannt. Daſs er ein Christ gewesen sei, lälfst sich aus diesem Beinamen kaum schlieſsen. Der das griechische Wort darunter schrieb, hatte es vielleicht erst vor kurzem kennen gelernt und freute sich, dals es auf den verhassten Libanus so gut passe. Derber, aber gutmütiger ist der Scherz, der einer Wand des letzten Zimmers anvertraut ist. Dort ist mit wenigen doch deutlichen Strichen das Bild eines Esels in die Tünche geritzt, wie er den schweren Mühlstein dreht, und darunter stehen die Worte:Labora aselle, quomodo ego laboravi, et proderit tibi.-Arbeite mein Eselchen, wie ich gearbeitet habe, und gut wird dir's bekommen. Diesen Witz kann ein Sklave ersonnen haben, welcher früher selbst die Mühle