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Besitzungen gelegen hat, ist nicht mehr festzustellen, nur so viel läfst sich Ciceros eigenen Andeutungen entnehmen, daſs sein Haus vom Markte her gesehen werden konnte und dals es sich in der Nähe der am Forum zwischen Castortempel und Palatin gelegenen Amtswohnung des pontifex maximus befand.
Auf der ganzen Strecke, die dem velabrum parallel läuft, treten antike und moderne Mauern an unseren Weg heran, die kein groſses Interesse erwecken. Erst an der südwestlichen Ecke des Berges stoſsen wir wieder auf eine merkwürdige Ruine, auf einen Rest der ältesten Befestigung Roms[15]J. Das Material zu den wohlbehauenen Blöcken hatte das Innere des Berges selbst geliefert. Es steht jetzt noch ein Mauerstück von fünf Lagen aufrecht, in denen die Steine nach dem Läufer- und Bindersystem so gefügt sind, dafs sie in der einen Reihe mit der breiten, in der anderen mit der langen Seite nach aufsen gekehrt sind. Die grölste Stärke der Mauer betrug hier 4 ½ Meter, eine Dicke, welche da, wo die Befestigungs- linie in einem rechten Winkel abbog, sehr angebracht war. Bei der Anlage der ältesten Burg wurde um den ganzen Berg eine solche Mauer gebaut, die ein unregelmälsiges Viereck, die sogen. Roma quadrata, einschlofs. Von ihr sieht man auch an anderen Punkten des Bergrandes noch Reste, aber an dieser Stelle ist sie am besten erhalten, während z. B. neben dem Hauptthor vor dem Tempel des Jupiter Stator, der bröcklige Stein rasch verfällt.
Die Römer nannten denjenigen Teil des Berges, an dem wir eben hergegangen sind, Germalus und erinnerten sich damit an die wunderbare Errettung der Zwillinge Romulus und Remus. Der nahe Tiber, in dessen reilsenden Strom die Kinder geworfen werden sollten, war gerade über seine Ufer getreten und füllte die Thäler zwischen Capitolin, Palatin und Aventin. Deshalb setzten die königlichen Diener den Korb mit den Brüdern am ersten besten Bergabhang da, wo ein Feigenbaum aus dem Wasser hervorragte, in das seichte Wasser, indem sie glaubten, dals die Kleinen auch hier ihren Untergang finden würden. Damals war diese Gegend noch sehr öde, die Wölfe hausten noch im Bergwald. Was Wunder, dafs eins von diesen hungrigen Tieren, das die Kinder weinen hörte, herbeitrabte, um die unerwartete Beute zu erspähen. Aber beim Anblick des weinenden Brüderpärchens vergals die Wölfin ihre Grausamkeit, sich selbst und ihre Jungen und nährte die beiden hungrigen Geschöpfe mit ihrer Milch. Staunend betrachtete diese seltsame, rührende Gruppe Faustulus, der eben aus dem Waldesdickicht tritt, er nimmt die Wunderkinder mit in die arme Hütte zu seiner Larentia und erzieht dieselben zu kräftigen und kühnen Jünglingen. Lange wurde eine einfache Hirtenwohnung auf dem Palatin mit besonderer Sorgfalt erhalten, ihr Holz und Stroh ersetzt, wenn es die Zeit morsch gemacht hatte. Auch wurden von Augustus die Spiele zu Ehren des herdenbeschützenden Berggottes, welche schon die Städtegründer mitgefeiert hatten, erneuert, die eingestürzte Grotte, welche jener Gottheit heilig war, wurde wieder hergestellt. Nun dürft ihr aber nicht erwarten, dals ich euch eine von den Höhlen, die es in groſser Anzahl am Palatin giebt, als Lupercal beschreibe. Dieselben sind teils von den Hirten, welche diese Gegend durchstreiften, vor- gefunden, teils sind sie in den Berg hineingebrochen in einer Zeit, in welcher man Material zum Baue der Mauern und Häuser brauchte; in späterer Zeit wurden sie als Cisternen benutzt. Nichts ist begreiflicher, als daſs die Hirten eine ihrer Grotten, welche besonders schön gelegen war, ihrem Gotte weihten. An ältere Zeiten erinnert uns die Inschrift eines Altares, der gerade an der südwestlichen Ecke des Berges noch auf dem Platze steht, wo er 1820 aufgefunden wurde. Der Stein selbst ist etwa 100 Jahre v. Chr. erneuert, die Anfangsworte seiner Inschrift aber waren offenbar eine heilige Uberlieferung. Sie weihten dies Heiligtum der geheimnisvollen Gottheit, welche den Ort schützte, deren Namen und Geschlecht jedoch
niewand konnt: SEI.DEO. SEI. DEIVAE. SAO.
Zu unseren Füfsen haben wir jetzt das Thal zwischen Palatin und Aventin, in dem einst während der festlichen Spiele die jungen Römer die Töchter der Sabiner raubten. Von der Höhe des Berges führte nach dem Circus eine alte Treppe hinab, deren Name an jenen diebischen Cacus erinnerte, der von hier die Rinder des Herkules nach dem Aventin getrieben haben soll. Wir können die Stufen nicht mehr hinaufsteigen, da die meisten derselben zerstört sind, dürfen auch den Südabhang noch nicht verlassen, weil es hier noch mancherlei zu sehen giebt. Zunächst treten links zahlreiche Spuren von Privathäusern zu Tage, welche darauf hinweisen, daſs man sich in dieser Gegend gern anbaute. Denn es war für den Römer doch kein kleiner Genuſs, von dem Dache seines Hauses aus den Circusspielen zuschauen zu können. Auch dehnten sich bis hierher niemals die kaiserlichen Bauten aus, die den übrigen Teil des Berges fast vollständig eingenommen hatten. Ganz natürlich scheint es mir, dals sich besonders kaiserliche PFrei- gelassene in der Nähe des Palatiums ankauften, und so erklärt es sich auch, daſs Augustus von den Wohnungen seiner Freunde und Freigelassenen aus dem Treiben im Oircus zusehen konnte. Caligula erfreute


