— 5—
Konsuln ihre Jahresthätigkeit, hierher lenkten die siegreichen Feldherrn ihre Schritte, wenn sie im Triumph- zuge durch die Stadt geleitet waren, um den Dank im Hause ihres starken Gottes niederzulegen. Nicht nur die Sterblichen suchten hier Hülfe und Errettung, auch die Himmlischen schmiegten sich mit ihren Heiligtümern, Kapellen und Altären an den gewaltigen Himmelskönig an. Zwar ging der Bau, den die Tusker den Römern errichten halfen, ähnlich wie einst die Phönizier den Juden ihren Tempel bauten, während der Bürgerkriege zwischen Marius und Sulla in Flammen auf. Aber prachtvoller als zuvor erstand er auf den gebliebenen Grundmauern durch die Fürsorge Sullas und seines Freundes Catulus, und je mehr von dieser Zeit an griechische Kunst in Rom Eingang fand, desto reicher wurde auch der Bilderschmuck des Tempels. Doch zweimal noch mulfste Jupiter eine plötzliche, gewaltsame Verwüstung der heiligen Stätte sehen. Tacitus erzählt in seinen Historien(III, 71) mit tiefster Entrüstung, wie das Capitol bei der Erstürmung durch die Soldaten des Vitellius auf das schnödeste verwüstet wurde. Sabinus, der Bruder und Feldherr Vespasians, liefs die Ehrendenkmäler, die Zierden der Vorfahren, herunterreilsen, um damit das Thor am Hauptwege zu verrammeln. Aber die Feinde drangen auf Seitenpfaden in den Tempelbezirk ein, Feuer ergriff die Säulengänge, die hölzernen Tempelgiebel mehrten die Flamme, und das Capitol brannte nieder clausis foribus indefensum et indireptum. Vespasian baute den Tempel wieder auf, aber kaum war er vollendet, da sank er bei dem grolsen Brande unter Titus in Asche. Goldener als zuvor erhob er sich wieder unter Domitians Regierung. Doch gerade diese ausgesuchte Pracht wurde dem Gotteshause ver- derblich, denn sie lockte die beutegierigen Barbaren. Der römische Staatstempel ging seinem Untergange unaufhaltsam entgegen, als die Bande des Staates sich lockerten, das Haus des höchsten Olympiers fiel in Trümmer und Vergessenheit, als der Hausherr selbst entthront war.—
Wie ein Siegeszeichen, das an die Uberwindung des Heidentums erinnern soll, erhebt sich jetzt auf der nördlichen höheren Kuppe des Berges, auf der römischen arx, eine der Maria geweihte christliche Kirche. Sie steht da, wo die Römer im 4. Jahrhundert v. Chr. der Juno moneta einen Tempel errichteten. Warum diese Göttin moneta genannt wurde, wulste sich schon Cicero nicht mehr mit Sicherheit zu erklären. Sie habe einst während einer Pest ihre Stimme von der Burg erschallen lassen und durch ihren guten
Rat die Not der Bürger geheilt. Solche Geschichten wurden jedoch nur erzählt, um den schon vorhandenen
Namen und Kultus der Göttin auf eine leicht fassliche Art zu erläutern. Moneta hat denselben Stamm mit moneo und mens und bedeutet die Sinnende, Denkende. Unter dieser Benennung wird die ehrwürdige Göttin schon in alter Zeit ebenso hier verehrt worden sein, wie auf dem Palatin der Jupiter Stator, dort die willenskräftige männliche, hier die kluge weibliche Gottheit.
Die Höhe war zur Anlage der Burg gewählt worden, weil sie den südlichen Hügel des Capitols weit überragte. Innerhalb der Befestigung war für mehrere gröſsere Tempel kein Raum. Doch vereinigte man in praktischer Weise mit dem so sicher gelegenen Junotempel die Präge, eine Verbindung, welche dem Worte „moneta“ die Bedeutung von Münze gegeben hat. Daſs vorzugsweise auf diesem Gipfel, von dem man eine weite Aussicht über das Forum hin bis nach dem Cälius hat, der Augur die Götter befragte, wilst ihr schon aus der Erzählung des Livius über den Regierungsantritt des frommen Numa. Es ist möglich, dals auch dies auguraculum eine Erinnerung an die vorhistorische Verehrung der Himmelskönigin auf dem Burgberge war.
Wenn wir nun vom Capitolplatze auf dem nächsten Wege zum Forum romanum hinabgehen, so haben wir zur rechten den jetzigen Senatorenpalast, welcher auf den alten Mauern des römischen Staats- archivs oder Tabularium[Pl. 1] aufgebaut ist. Dieses war nach Sullas Plan von eben jenem Catulus errichtet, der auch den Jupitertempel wieder herstellte. Es verband die beiden Höhen des Capitols. Durch einen bedeckten Säulengang ging man hinüber und herüber und auf einer Treppe stieg man vom Forum hinauf durch das Gebäude hindurch nach dem alten Asylplatze hin. Jetzt sind die Ausgänge nach dem Forum zugemauert und wir begnügen uns deshalb heute damit, die durch ihr Alter so ehrwürdigen Tuff- blöcke und Bogen des Tabularium von aulsen zu bewundern. Doch weit mehr wird euch die Aussicht fesseln, die wir von unserem Wege aus über das Forum romanum genieſsen.
Dieser schönste und belebteste Platz des alten Rom liegt jetzt in stummer Trauer da und kann von der früheren Herrlichkeit nur noch Trümmer zeigen. Einst war er so unendlich reich, jetzt ist er zum Bettler geworden und rührt uns durch sein abgetragenes Gewand. Aber eins ist ihm in seiner Armut geblieben und macht ihn stolz, das ist die Erinnerung an seine Jugend. Es ist ein wundersames Ding mit diesem Forum romanum. Wenn man es von unserer Anhöhe aus betrachtet und wie festgebannt den Blick nicht wenden kann, dann wird mit einem Male die Einöde da unten lebendig. Gewaltige Tempel steigen vor unseren verzückten Augen aus der Tiefe, schlanke Gerichtshallen schiefsen auf, Triumphbögen


