Aufsatz 
Haus oder Schule - oder Schule und Haus? Erläutert durch Mitteilungen aus der Bildungsgeschichte Goethes und Schiller's
Entstehung
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Frankfurter Hefte vorfinden. Die Anleitung, die der Vater dazu geben konnte, war, wie man aus einem(zuerſt von Nicolopius herausgegebenen) Briefe erſehen kann, den er in pedantiſch ſteifer, ba⸗ xoker und alwäͤteriſcher Ausdrucksweiſe im Jahre 1776 an den däniſchen Konſul Schönborn in Al⸗ ggier ſchrieb, ſehr mangelhaft. Eine ähnliche Bewandtniß mag es mit dem Unterrichte im Tanzen gehabt haben, den der 48Sjährige, in ſteifer ernſter Haltung einherſchreitende Vater ſeinen Kindern ſel bſt ertheilte, und dabei die zierliche Menuet, die er einuͤbte, mit der Flute- douce begleitete. Das ſehr raſche Forteilen des begabten Lehrlinges in Allem, wozu der Vater ihn anleitete, ſcheint dieſen, nur an einen langſamen und bedächtigen Schritt gewöhnten, Führer ſo außer Athem gebracht zu haben, daß er, um Luft ſchöpfen zu können, es gern ſah, wenn der ſich überall nach neuen Gegenſtänden umſehende Knabe irgend etwas Anziehendes fand, das ihn, wenigſtens für eine Zeitlang, beſchäf⸗ tigte und feſthielt, ſo daß jener mit ſeinen Vorarbeiten und Präparaturen ihm nachkommen konnte. Daher geſtattete er es nicht nur, daß ſein Zögling von einem Muſiklehrer, der ſeinen Unterricht mit drolligen Späßen zu würzen pflegte, das Klavierſpielen erlernen durfte, was freilich mit dem Intereſſe an dieſen, ſich zu oft wiederholenden, Späßen ſehr bald wieder aufhörte(ſo wie das ſpä⸗ terhin angefangene Flöteblaſen und Violoncellſpielen); ſondern er ließ ſich ſogar des Knaben ſon⸗ derbare Liebhaberei für das Jüdiſch⸗Deutſch gefallen, und gab ihm willig darin nach, als er, um auf den Urſprung dieſes Jargons zurückgehen zu können, Unterricht im Hebr äiſchen zu ge⸗ nießen wünſchte. Der damit beauftragte 70 jährige Rektor Albrecht(ein Aeſop im Chorrocke und Perrücke, mit ſarkaſtiſchem Lächeln und großen, geiſtreich leuchtenden, obgleich gerötheten Augen) konnte jedoch mit ſeinen grammatiſchen Regeln und Paradigmen die Aufmerkſamkeit des Schülers nicht lange feſſeln, und mußte, um rege Theilnahme in ihm zu erhalten, ſich in Disputationen über die Zweifel, welche derſelbe gegen den Inhalt des im Alt. Teſt. Geleſenen ausſprach, mit ihm ein⸗ laſſen, die der in Verlegenheit gebrachte Lehrer dann oft nur mit dem lachend ausgeſprochenenEr närriſcher Kerl! Er närriſcher Junge! zu beantworten wußte. Es konnte nun aber dem Vater bei dem Allen nicht verborgen bleiben, daß dieſem Unterrichtsweſen der ſpornende, in reger Kraft⸗ anſtrengung erhaltende Wetteifer fehlte, und er entſchloß ſich dazu, dieſem Mangel, ſo viel als mög⸗ lich, durch eigene Theilnahme an dem ſeinem Sohne in einigen, ihm ſelbſt fremd gebliebenen, Ge⸗ genſtänden von andern Lehrern ertheilten Unterrichte, abzuhelfen, und, ſo lernte er mit demſelben ge⸗ meinſchaftlich das Engliſche und das Zeichnen. Allein der eine Koukurrent hätte, anch wenn er, worauf es hier doch ſo weſentlich ankam, mit dem Wetteifernden gleichen Alters geweſen wäre, zu einer ſolchen Anſpornung wohl nicht ausgereicht. Es wurde daher durch Hinzuziehung andrer Kna⸗ ben eine Art von Privatſchule gehildet, in der ſich jedoch ſehr bald dieſelben Uebelſtände bemerkbar machten, die man durch das Zurückhalten von öffentlichen Schulen hatte vermeiden wollen.Unſre Lehrer, ſagt Göthe, behandelten uns oft ſehr unfreundlich und ungeſchickt mit Schlägen und Püffen, gegen die wir uns um ſo mehr verhärteten, als Widerſetzlichkeit oder Gegenwirkung bei uns aufs höchſte verpont war. Mehr noch hatte er von ſeinen Mitſchülern zu erleiden, was er anfangs geduldig ertrug, zuletzt aber doch, dadie Zudringlichkeiten der Andern wuchſen, und, wie eine unartige Grauſamkeit keine Grenzen kennt, ihn auch aus ſeinerGrenze hinaustrieben, ſich gegen dieſe Mißhandlungen in einem(von ihm geſchilderten) blutigen Kampfe auf das Ernſt⸗