Aufsatz 
Haus oder Schule - oder Schule und Haus? Erläutert durch Mitteilungen aus der Bildungsgeschichte Goethes und Schiller's
Entstehung
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3.

Schüler, und werden es, da Verhältniß, Intereſſe und Verpflichtung dort ſehr viel dringender dazu auffordern, als hier. Umgang, der einen ſo weſentlichen Einfluß auf die ſittliche Erziehunge der Jugend übt, läßt ſich im Elternhaufe wählen, beobachten, beſchränken und regeln; in der Schule hängt er vom Zufalle ab, iſt, wie nachtheilig er ſich auch zeigen möge, doch unvermeidlich, und kann ſich auch der ſorgfältigſten Beobachtung ſehr leicht entziehen. In der Abgeſchloſſenheit des elterli⸗ chen Hauſes darf dem Kinde kein Beiſpiel gegeben, keine Mittheilung gemacht, kein Einblick in das Leben geöffnet werden, wovon ſich eine verderbliche Einwirkung befuͤrchten ließe; wie iſt das Alles⸗ aber bei dem Beſuche einer Schule zu vermeiden, bei welchem ſchon der Weg, der dahin führt, der Neugier und Schauluſt des Kindes ſo Vieles zu beobachten giebt, was nicht zu den edelſten Lebensbildern gehört, und der tägliche Verkehr mit Kindern aus den verſchiedenſten Familienkreiſen den Schüler mit Dingen bekannt macht, von denen er im Elternhauſe nie etwas erfahren hätte.

Und doch, ſagt ein Andrer, ziehe ich vornehmlich für Knaben eine Schul⸗ und Er⸗ ziehungsanſtalt der Ausbildung im häuslichen Kreiſe vor. Wer in der Welt und unter Men⸗ ſchen leben ſoll, muß Welt und Menſchen frühe kennen lernen. Wer nicht nur einem engen Fa⸗ milienkreiſe ſondern einer größern Geſammtheit angehört, als deren Mitglied er ſich zu betrachten hak, muß ſich frühe mit dieſem Verhältniſſe vertraut machen. Wer ſpäter mit den verſchiedenartig⸗ ſten Charakteren im Verkehre ſtehen, mit ihnen wirken, ſtreiten und in Konflikte gerathen wird, muß frühe ſich an eine gemiſchte und ungleichartige Umgebung gewöhnen; und das Alles kann nur in der Schule, die das Vorſpiel des ſpäteren geſelligen Lebens iſt, und die Vorbereitung für daſ⸗ ſelbe giebt, nicht aber in der Abgeſchloſſenheit des häuslichen Familienkreiſes, in der Iſolirung und Fernhaltung von jedem unangenehm berührenden Umgange erreicht werden. Die ſpitzigen und ſchar⸗ fen Ecken, in denen der Egoismus, die Prätenſion, der Eigenſinn und die Selbſtgefälligkeit oft ſchon ſo frühe hervorſchießen, kann nur das Schulleben mit ſeiner Beweglichkeit, ſeinen Reibungen, Kolli⸗ ſionen und Konflikten, ſeinem Aneinandergerathen der verſchiedenartigſten Stoffe und ſeinem natürli⸗ chen Widerſtreite gegen alles Einſeitige und Erkluſive gehörig abſchleifen, und die Ungelenkigkeit, Befangenheit und Peinlichkeit beſeitigen, die aus jeder Abgeſchloſſenheit und Zurückgezogenheit der⸗ Lebensweiſe hervorgeht. Iſt auch der Anſtoß, den der Knabe bei dieſen Kolliſionen erleidet, mit⸗ unter ein empfindlicher und wehethuender, und giebt es da auch bisweilen ein kleines Unrecht zu erdulden, eine zu harte Rüge oder Strafe zu verſchmerzen; Aehnliches und noch Fühlbareres wird ihm im ſpäteren Leben vielfältig begegnen und ihn, wenn er durch eine ſolche Vorſchule ge⸗ gangen iſt, um Vieles weniger befremden und muthlos oder irre machen, als wenn er dieſer Un⸗ bill mit Unerfahrenheit und Verwöhntheit entgegenträte.

Wer von Beiden, oder ob keiner von ihnen hier das Rechte gefunden hat, und ob dieſes Rechte nicht, wie ſo oft, in der Mitte liegt, und in der vereinigten Benutzung der Vortheile, die ein rer ſeits aus der erſteren, andrerſeits aus der letzteren dieſer beiden Erziehungsweiſen her⸗ vorgehen wobei dann nur die Aufgabe zu löſen wäre, jene Schwächen, an welchen ſie Beide laboriren, möglichſt unſchädlich zu machen wird, da es ſich hier um eine Sache der Praxis han⸗ delt, wohl nur durch die in dieſer Praris gemachte Erfahrung entſchieden werden können. Man

wird nachweiſen müuſſen, daß dieſe und jene Vorzüge und Mängel, die ſich in dem Charakter und 1*