welches für das— der Liebe und Theilnahme ſo bedürftige— Kind im Vater⸗ und Mutterherzen lebt; daß ein Unterrichten in Maſſe, ein ſogenanntes„Ueber Einen Kamm ſcheeren“ nur den be⸗ gabten, wohlgearteten, gleichen Schritt mit einander haltenden Schülern zu Gute komme, daß aber der ſchwache, ſchwerer zu behandelnde, mit jenen begünſtigtern nicht fortzuziehende dabei ermatte, zu⸗ rückbleibe und zuletzt nicht mehr beachtet werde.— Da iſt dann freilich die ſo oft ausgeſprochene Forderung:„es ſolle die Schule mit dem Elternhauſe Hand in Hand gehen,“ eine ſehr ſchwer zu erfüllende; denn es ſind der Hände, die hier in einander gefügt werden ſollen, auf beiden Seiten gar zu viele, und dabei auf jeder dieſer Seiten ſo verſchiedenartig wirkende, oft weniger mit als gegen einander arbeitende. Sind denn im Elternhauſe in Betreff der Kindererziehung Vater und Mutter ſtets gleicher und nicht im Gegentheile oft ſehr verſchiedener Anſicht? und gehen dar⸗ aus nicht Forderungen, Maßregeln und Verfahrungsarten hervor, die nicht ſelten mit einander im entſchiedenſten Widerſpruche ſtehen? Und dabei nun die mannigfaltigſten, oft erſt in ihren Folgen bemerkbar werdenden Mitwirkungen von Geſchwiſtern, Hausfreunden, Nachbarn, Dienſtboten und ſo manchen Andern, mit denen auch das in möglichſter Abgeſchloſſenheit heranwachſende Kind in un⸗ „vermeidliche Berührung kommt. Wie will die Schule, die alle dieſe Verhältniſſe bei den meiſten „nnicht kennt, zur Beſeitigung der daraus hervorgehenden Nachtheile die Hand bieten, vornehmlich da „zauch in ihr der mit und neben einander wirkenden Hände ſo viele und ſo verſchiedene ſind! Je größer die Zahl der Lehrer iſt, die an der Ausbildung des Schülers arbeiten, um ſo größer auch die Ungleichheit in der Beurtheilung und in der Behandlungsweiſe, die ihm zu Theil wird. Ver⸗ „ſchiedenheit des Alters, des Talentes, der Gemüthsbeſchaffenheit, der Erfahrung, ja der ganzen Per⸗ „ſönlichkeit macht hier ein völliges Gleichſein und Gleichhandeln unmöglich; weshalb man denn „die ältere Schuleinrichtung, nach welcher in jeder Klaſſe nur ein Lehrer den Unterricht zu ertheilen „hatte(das Klaſſenſyſtem), wobei dann die Lehranſtalt in ſo viele abgeſonderte, nur neben einander beſtehende Schulen zerfiel, als ſie Klaſſen zählte, dem jetzt allgemcin angenommenen Fachſyſteme, amach welchem jeder Lehrer gewiſſe Gegenſtände des Unterrichtes in allen oder mehren Klaſſen, ab⸗ und zugehend, zu beſorgen hat, nicht ſelten vorzuziehen geneigt iſt, indem man das, was durch das gletztere an Gründlichkeit des Docirens gewonnen wird, für weniger wichtig hält, als den Ge⸗ „winn, der für die ſittliche Ausbildung der Schüler aus dem erſteren hervorgeht. Hat aber auch wirklich die ganze Schule oder jede einzelne Klaſſe derſelben nur einen Lehrer; ſo arbeitet ja auch ndann noch an der innern und äußern Geſittung der Schüler nicht dieſer Eine allein; ſondern je⸗ der dieſer Schüler übt einen mitwirkenden Einfluß auf den andern, und zwar bei Gleichheit des Al⸗ ters, der Lebensverhältniſſe, der Anſichten und Neigungen meiſtens einen viel eindringendern, als der „KLehrer ſelbſt, bei welchem eine ſolche Gleichheit nicht vorhanden iſt. Es geht alſo— hat bei Erwägung dieſer Uebelſtände ſo Mancher geſagt— mit dieſem Zu⸗ ſammenwirken der beiden verſchiedenen Werkſtätten nicht; man muß ſich auf eine derſelben beſchrän⸗ ken, und demnach die ganze Ausbildung des Kindes entweder dem Elternhauſe oder der, zu einer „Erziehungsanſtalt erweiterten Schule überlaſſen.— Jedenfalls dem erſteren hat ein nicht geringer Theil dieſer Separatiſten gemeint. Vater⸗ und Mutteraugen können den kleinen Kreis der Kin⸗ der des Hauſes ſorgſamer überwachen, als die Augen des Lehrers den um Vieles größeren der
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Haus oder Schule - oder Schule und Haus? Erläutert durch Mitteilungen aus der Bildungsgeschichte Goethes und Schiller's
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