Aufsatz 
Das dreihundertjährige Jubiläum des Gymnasiums / Georg Friedrich Eysell
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

Grabe, nachdem ſie beinahe neuntehalbhundert Jahre gedau⸗ ert hatte.

Dem Gymnaſium und ſeinen proteſtantiſchen Lehrern ent⸗ ſprang aus dieſen Verhältniſſen nicht der mindeſte Nachtheil. Michaels gelehrter Nachfolger, Ludwig Landau, blieb von Anfang ſeiner Regierung bis zu deren Ende(1588) nicht bloß dem Ver⸗ ſprechen treu, welches er in ſeiner mit Wilhelm(1IV) dem Weiſen geſchloßenen Uebereinkunft(20. Mai 1571) abgelegt hatte:Die von ſeinem nächſten Vorfahren aufgerichtete Schule in ihrem Weſen treulich zu behalten, ſondern er bewährte ſich auch als eifrigen Pfleger derſelben wie als Förderer der Wißenſchaft überhaupt durch die Anlage einer trefflichen Schulbibliothek und die Stiftung des Molitorſchen Beneficiums. Die gleiche Für⸗ ſorge, wie die Aebte, ließen auch die Söhne des geiſtreichen Landgrafen Moritz, Otto und Wilhelm, als Adminiſtratoren der Anſtalt zutheil werden. Insbeſondere gebührt dem früh verſtor⸗ benen(7. Auguſt 1617) Prinzen Otto ein ruhmvolles Andenken. Die Pflichten, welche ihm die Capitulationsurkunde(vom Jahre 1604) in ihrem dritten Artikel auferlegte,die Kloſterſchule bei ihrer Fundation ungeſchwächt bleiben zu laßen, erfüllte er auf das gewißenhafteſte; das Größere aber war, daß er eine ſeltene Munificenz und die Kraft jener Liebe beſaß, welche jeden Ein⸗ zelnen in ſeinem eigenſten Sein und nächſten Lebensbereich zu fördern und zu heben beflißen iſt und dadurch alle ihre Pflege⸗ befohlenen zur Gegengabe der Herzen wie zu aufopfernder Amts⸗ treue begeiſtert.

Wir ſehen, es haben an der Wiege der Anſtalt von Anfang an freundliche Genien geſtanden, und wißen wir auch von dem innern Leben derſelben nur Weniges, das Wenige iſt genug, um auf ein fröhliches Emporkeimen der jungen Saat ſchließen zu laßen. Unter den Lehrern befinden ſich Männer, deren Namen in der Gelehrtenwelt weit und breit einen guten Klang hatten. Wir nennen die Rectoren Waldenberger(1579 1584),