Aufsatz 
Das dreihundertjährige Jubiläum des Gymnasiums / Georg Friedrich Eysell
Entstehung
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matoriſchen Lichtes in die deutſchen Nachbarlande gefallen, ſo hatten ſich die Hersfelder, welche in politiſcher und religiöfer Hinſicht ſtets einer freieren Richtung huldigten, mit aller Entſchie⸗ denheit der neuen Sonne zugewandt. Die Geiſtlichkeit war nicht hinter dem Laienſtande zurückgeblieben, und Abt Michaels Vor⸗ gänger Krato(Kraft Myle) hatte theils direct theils indirect der Reformation bedeutenden Vorſchub geleiſtet. Denn nicht nur bewirtete er Luther ſelbſt bei deſſen Rückkehr von Worms ſechs Tage lang im Stifte und veranlaßte ihn ſogar, in der Stiftskirche zu predigen, ſondern er ſah auch mit gelaßener Ruhe zu, wie Luthers Lehre bald alle Geiſter in ſeinem Kloſtergebiete gewann, und wie in der Mitte der zwanziger Jahre der katholi⸗ ſche Gottesdienſt ſowohl in Stadt und Stift als auf dem Lande beſeitigt wurde.

Letzteres geſchah unter dem ſchutzherrlichen Einfluß Philipps des Großmüthigen. Das Beſtreben der heſſiſchen Landgrafen war nämlich darauf gerichtet, das Stift Hersfeld mit unauflös⸗ lichen Banden an ihr Haus zu ketten und zu dem Ende die erb⸗ liche Schirmherrſchaft in bleibendes Beſitzthum zu verwandeln. Der Uebergang dazu bahnte ſich unter den bewandten Umſtänden am leichteſten, wenn man zuvörderſt den Sieg, welchen die pro⸗ teſtantiſ che Sache bereits innerlich erlangt hatte, auch nach außen hin vollendete und ſodann die Wahl ſolcher Aebte beförderte, in deren Perſon ſich das proteſtantiſche Herz mit der äußeren Zu⸗ gehörigkeit zu der katholiſchen Kirche verband. Wie bei Abt Michael, der die Gründung ſeiner Schule nicht ein volles Jahr überlebie⸗ G 4. Mai 1571), ſo gelang dies auch bei den folgen⸗ den Acbten, bis im Jahr 1604 Landgraf Moritz den leßten der⸗ ſelben, Joachim Röll, und das Capitel bewog, ſeinen älteſten Sohn Otto zum zeitigen Coadjutor des Stiftes und künftigen Adminiſtrator der Abtei zu erwählen. Zwei Jahre darnach ſtarb Idachim(1606), und mit ihm ging die Regt ierung der ette 3i