Aufsatz 
Das dreihundertjährige Jubiläum des Gymnasiums / Georg Friedrich Eysell
Entstehung
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Sittſamkeit und geiſigen Begabung. Zum andern Theile wollte der Abt die Zinſen ſeiner Spende zur Beſoldung der Lehrer verwandt wißen und zwar, wie er ausdrücllich hervorhebt, zur anſtändigen, der Würde und dem Stande derſelhen angemeßenen Beſoldung, damit ſie ihre Muße in edlerer Weiſe genießen, die ihr anvertraute Jugend ſorgfältig überwachen und beßer unter⸗ weiſen könnten. Außerdem überwies Michael den Lehrern wie dem Oekonomen die Nebengebäude des Kloſters ſammt, Gärten zu. freien Wohnungen.

Gebe der Herr, ſo ſchließt der ehrwürdige Greis ſeine ur⸗ kunde, gebe der Herr, daß dies Werk, das Er gnädig in mir gewirkt hat, zu Seinem Ruhme und des Staates Nutzen glück⸗ lichen Fortgang habe bis an der Welt Ende.

Wir wißen es nicht, ob der Herr ſolche Gedanken hat über dieſes Gymnaſium, das aber wißen wir, daß die Grundſätze, auf welchen daſſelbe auferbaut iſt, ihrem Weſen nach ewige ſind, und. hoffen deshalb, daß ſie ausdauern werden in allem Wechſel der Zeiten.

Wie aber? wer kann die Worte des Stifters leſen, ohne unwiuggrlich, an die ſächſiſche und andere Schulordnungen er⸗ innert zu werden, welche auf dem Boden der Reformation er⸗ wachſen ſind? Kein Wunder das. Abt Michael, obwohl katho⸗ liſcher Prälat, war mit Geiſt und Herz ſo ganz dem Proteſtan⸗ tismus, ergeben, daß er ſogar einen Proteſtanten zu ſeinem Hofprediger erkoren hatte und mit Philipp dem Großmüthigen, einem der. glühendſten Vorfechter der Reformation, die engſten Beziehungen der Freundſchaft unterhielt. Natürlich war demnach das Werk von demſelben Odem evangeliſchen Lebens beſeelt, wie ſein Schöpfer.

Uebrigeng bildete Abt Michael mit ſeinrer evangeliſchen Ge⸗ ſinnung in Hersfeld nicht etwa eine Ausnahme von der Regel. Kaum waren nämlich von Wittenberg die erſten Blitze des refor⸗