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Dieſer ebenſo einfache als wohl durchdachte Lehrplan faßt ſich ſeinem innerſten Gehalte nach in die zwei Worte zuſammen: Chriſtenthum und Wißenſchaft oder göttliche Wahrheit und menſch⸗ liche Weisheit, und fließt aus der Grundvorausſetzung, daß die eine mit der andern in unzertrennlichem Zuſammenhang ſtehe. Die Kenntnis beider aber ſoll ſoviel, als thunlich, aus den Quellen ſelbſt gewonnen werden und zwar mittels des Studiums der alten, inſonderheit der claſſiſchen Sprachen.
Mit naturgemäßer Folgerichtigkeit gehen dann aus dem Syſtem des Unterrichts die Anforderungen hervor, welche an die Lehrer geſtellt ſind. Chriſtlich fromme Männer und allſeitig durchgebildete Gelehrte ſollen ſie ſein, ebenſo geſchickt, die ange⸗ borenen Gaben der Zöglinge zu entwickeln, als ihre Seelen mit heilſamer Lehre zu befruchten.
Gleichwie aber die Wißenſchaft mit dem Chriſtenthum, ſo wird der Unterricht mit der Erziehung in engſter Verbindung gedacht: die Lehre, ſo fordert es die Idee, muß Leben, das Leben Ausdruck und Spiegel der Lehre ſein. Darum haben alle der Schule Angehörige, Lehrende wie Lernende, all und jeder Tugend ſich zu befleißigen, und nur wenn dieſe Vorſchrift treu⸗ lich befolgt wird, glaubt ſich der edle Abt mit Zuverſicht des göttlichen Segens getröſten zu dürfen.
In wahrhaft fürſtlicher Weiſe ſtattete Michael ſeine Anſtalt aus. Er ſchenkte ihr das ehemalige Minoriten⸗Barfüßer⸗Kloſter, welches ihm bei der Theilung der Stadt mit Heſſen als Privat⸗ eigenthum zugefallen war, und— was für die damalige Zeit ſehr viel ſagen will— die Summe von 40,000 Gulden, die er durch weiſe Sparſamkeit während ſeiner Regierung erübrigt hatte. Den jährlichen Rentenertrag dieſes Capitals beſtimmte er vornehmlich für zwei Hauptzwecke, erſtens zum Unterhalt eines Convictes von 20 Jünglingen, deren Auswahl nicht bloß auf den Bezirk der Abtei beſchränkt ſein, ſondern auch auf das be⸗ nachbarte Gebiet ſich ausdehnen und nach keinem andern Maß⸗


