Aufsatz 
Das dreihundertjährige Jubiläum des Gymnasiums / Georg Friedrich Eysell
Entstehung
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Liebe zu ſeinen Mitmenſchen, insbeſondere zu der verwarloſten Jugend. Und was bezweckt er mit ſeiner Schöpfung? Gottes Ehre und der Menſchen Heil; denn eine Erziehungs⸗ und Bil⸗ dungsſtätte ſoll ſie werden ſowohl für die künftigen Diener der chriſtlichen Kirche als für die Lenker des chriſtlichen Staates und die Leiter des chriſtlichen Volkes. Seit meiner Erhebung zum Abt, ſo lauten ſeine eignen Worte in der Stiftungs⸗ Urkunde, bin ich oft mit mir ſelbſt und ausgezeichneten Män⸗ nern zu Rathe gegangen, wie ich das von Gott mir anvertraute Gut in der rechten Weiſe verwerthen könne. Zuletzt iſt mir, zu⸗ mal in Anbetracht der Bedrängnis dieſer Zeit, wo viele Jüng⸗ linge von den beſten Geiſtesanlagen aus Mangel an Vermögen oder tüchtigen Lehrern zu Grunde gehen, nichts wichtiger und gottgefälliger erſchienen, als eine Schule zu errichten, in welcher zur Erhaltung der wahren Religion und chriſtlichen Frömmig⸗ keit, zur rechten Regierung des Staates und zur Förderung der menſchlichen Geſellſchaft die jungen Leute herangebildet werden ſollen, welche berufen ſind, dereinſt an die Spitze der Kirche und des Staates zu treten.

Und die Lehrgegenſtände, womit dem hehren Ziele zuge⸗ ſtrebt werden ſoll? Der Hauptbeſtimmung der Schule ent⸗ ſprechend, bildet die Grundlage des geſammten Unterrichts die Religion und zwar, wie es ausdrücklich heißt, die wahre Reli⸗ gion, welche in den Ausſprüchen der Propheten und Apoſtel enthalten iſt, ungefärbt durch menſchliche Traditionen, ohne Sophiſtik und Schwarmgeiſterei. Daran ſchließen ſich die Fächer des ſogenannten Triviums: Grammatik, Dialektik, Rhetorik, nebſt den Anfangsgründen des Griechiſchen und des Hebräiſchen d. h. derjenigen Sprachen, welche zum Verſtändnis der heiligen Schrift im Originale unerläßlich ſind, und endlich zwei Gegen⸗ ſtände, welche ſchon dem Quadrivium angehören, nämlich Muſik und Arithmetik, weil ohne dieſelben der Menſch ſich vom un⸗ vernünftigen Thiere nicht unterſcheide.