Aufsatz 
Bemerkungen zu Valerius Flaccus / von Rudolf Löhbach
Entstehung
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diesem Verse plures stat ferre moras zu lesen sei. Das nach Ausfall dess in stat unverständ- liche tat ferre mag nach vs. 657 in tolerare verändert worden sein.

675. Es ist zu verwundern, dass die Herausgeber mit seltener Uebereinstimmung nach der Aldina das in V überlieferte Imperfect ibant durch das Futur ersetzen. Das Imperfect passt vortrefflich zu dem ironischen Hinweis darauf, dass Hercules, wie kurz vorher vs. 475 ff. erzählt, durch seine ungefüge Kraft die wünschenswerthe Gleichmässigkeit des Ruderschlages störte.

699 ff. Thilo(Prol. X) sagtprudenter egisse Valerium, cum Jasonem ducem fuisse ex- peditionis, tamquam id per se esset consentaneum, sumeret neque Apollonium sequeretur, qui ab Argonautarum conuentu Herculem ducem creatum esse sed Jasoni honorem cessisse narrauit. Dass dies Lob nicht ganz verdient ist, zeigt unsere Stelle, wenngleich der Dichter im ersten Ge- sange nichts davon sagt, dass die Argonauten den Hercules zum Führer haben wollten. Es gehört dies zu den nicht wegzuläugnenden vielen Ungleichheiten des Gedichts.

Lib. IV.

74. grauis passt offenbar besser zu Erinys, als zu Japetus, hinter welchem Worte daher zu interpungieren ist.

227. Burmann verbindetnec uidet pugnam ad ora Elei patris und sieht sich deshalb genöthigt ad ora durchin conspectu zu erklären. Diese Schwierigkeit verschwindet, wenn man der Wortstellung entsprechend folgendermassen construiert:nec ad pugnam uidet ora Elei parentis. Der Sinn ist in beiden Fällen so ziemlich derselbe.

357. Dieser Vers ist von J. Wagner gründlich missverstanden worden. Er erklärt:Juno propius ad iuuencam Inachiam accedit Joue permittente. Dass von der Verwandlung der Jo die Rede ist, bedarf keines Beweises. Um die Erzählung nicht in zu kurze Sätze zu zerhacken, ziehe ich vor, in vs. 357 mit V cum zu schreiben und im folgenden Verse mit den Worten Plausu fouet den Nachsatz beginnen zu lassen.

439 f. Madvig(Advers. crit. II, p. 114) meint, rebar sic habe ein auf si endigendes Perfect mit der Bedeutungberechnen verdrängt, findet aber selbst kein passendes Wort. Baehrens glaubt dasselbe in reputaui entdeckt zu haben. Bei richtiger Auffassung bedarf die Stelle keiner Aenderung. Man darf weder, wie dies einzelne Herausgeber thun, rebar sic als Parenthese ansehen, noch proxima zu legens ziehen. Proxima gehört vielmehr, wie ich anderwärts(Studien, S. 10) nachgewiesen habe, zu tempora. Der Sinn ist demnach folgender:Kraft meiner Sehergabe, sagt Phineus,wart ihr und eure Fahrt mir wohl bekannt, und so glaubte ich denn auch die Zeit eurer Ankunft nahe, indem ich im Geiste alle Ereignisse eurer Reise durchging.

474 f. Phineus kann als Flehender den Donnerer nicht füglich ungerecht nennen. Er be- klagt sich nur darüber, dass Jupiters Zorn ihn jetzt noch, nach so langer Sühne, bei seinem hohen Alter mehr als billig(iniuste) verfolge; die Dauer der Strafe sei zu gross für sein Vergehen, dessen er sich doch nur aus Mitleid mit den Menschen schuldig gemacht(vs. 477 481). Im folgenden Verse haben Bulaeus und Heinsius mit Recht an ante Anstoss genommen und ersetzen dasselbe sehr passend durch parce. Den Versuch Burmanns, ante zu rechfertigen, halte ich für misslungen, da die von ihm angeführten Verse 492 und V, 261 für unsere Stelle nicht beweisen, dass ante so ohne Weiteres fürante omnia gesetzt werden kann. Madvig(a. a. O. S. 144) schreibt in vs. 474 iniuste.... non und verbindet ante mit premis, gibt jedoch für das Praesens keine genügende Erklärung. Hiernach ist die ursprüngliche Gestalt von vs. 474 und 475 wahr-