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Unter einander befleissigen sich die Schüler unserer Zeit, und damit stossen wir auf eine andere Schattenseite derselben, nicht der grössten Feinheit, und es ist so zu sagen der Comment unter ihnen, dass sie die gewöhnlichen Höflichkeits- formen*) gegenseitig wenig gebrauchen und leider auch nicht selten gegen Erwachsene und Vorgesetzte vernachlässigen, ja sogar die Achtung und Ehrerbietung gegen ihre näch- sten und grössten Wohlthäter, gegen die Eltern, bisweilen aus den Augen setzen. Das wäre von denen, welche dieser Vorwurf trifft, eine unverzeihliche Pietätlosigkeit! Wahr ist es, unsererJugend fehlt im Allgemeinen die Ehrfurcht vor dem Stande, sei es Leh- rer- oder Elternstand, es hängt jetzt Alles von der Persönlichkeit ab, und das Gefühl der Dankbarkeit gegen das Vaterhaus und gegen die Schule scheint bei Vielen auf das Mini- mum reducirt, weil einerseits die Liebe zu sehr erkaltet, und andererseits beim Dünkel von eigener Grösse das Gefühl der Bewunderung von fremder Hoheit im Vater und im Lehrer, die demüthige kindliche Abhängigkeit kaum mehr zu finden ist. Der Gedanke an die göttliche Würde und höhere Macht der Stellvertreter Gottes hält nicht mehr von Ausbrüchen der Rohheit ab und bändigt nicht mehr die Selbstsucht, dass Widerspruch, Trotz, Eigensinn, Widersetzlichkeit sich nicht hervorwagen sollte. Freilich haben nicht die Kinder angefangen die Pietät gegen die Alten zu verletzen, sondern die Alten haben ihre Würde und Hoheit vergessen und nicht mehr geglanbt an die ihnen von Gott ver- liehene Majestät. Darum ist jetzt auch der Glaube des Kindes an die Autorität des Vaters und der Mutter gesunken, es sieht nicht mehr im Ungehorsam eine Verletzung von Gottes Ordnung, es verabscheut die Widersetzlichkeit nicht mehr als Frevel und Unnatur.**)
und das muss er werden, wenn er ohne sein Gegengewicht gesteigert wird im Vielerlei— gehört haben. Es gibt jetzt schon Knaben und Jünglinge, die lieſern Gedichte und Recensionen in'öffent- liche Blätter, oder halten Vorträge im Kreise des reichen Hauses, worin sich Bewunderer versam- meln— und diese jungen Dünkel sind in den Rudimenten noch nicht fest. Es gibt Jüng- linge, welche schon an den Krankheiten der Gelehrsamkeit leiden. Es giebt eine Anzahl junger Leute, die von oberflächlicher Aufklärung, leichter Halbwisserei und Eitelkeit sich ihrer Väter schämen, weil die nicht so gebildet sind wie sie. Wenn das die Aufgabe unse- rer Bildung wäre, so wollten wir sie doch aufs schnellste abwerfen. S. Director Vömel: Uber den Gehorsam.— Man hat eine Parallele versucht zwischen den aus der ältern und neuern Erziehungs- und Unterrichtsweise hervorgegangenen Menschen und sich dahin aus- Sesprochen, dass diese ausgebreitetere Kenntnisse, mehr nützliche Fertigkeiten und mehr Geschmeidigkeit im Leben, jene aber mehr Gründlichkeit in ihrem Wissen, mehr Kraft und Beharrlichkeit in ihrem Thun und mehr sittliche Tiefe besässen.— *) S. Callinich a. a. O. p. 99 etc. **) Vortreffliche Worte des ehrwürdigen Veteranen Dr. Vömel; s. dessen bereits angeführten gedruckten Vortrag über den Gehorsam, gehalten zu Frankfurt a. M. 1845. Ein ausgezeichneter Schulmann, Harnisch, drückt sich noch kräftiger aus:„Es fehlt der Jugend der rechte Ernst, darum weil die Elternwürde zu sehr gesunken ist. Der Hausthron


