Aufsatz 
Über die Hindernisse, welche aus der modernen häuslichen Erziehung für einen gedeihlichen Gymnasialunterricht entstehen : Winke für Eltern und deren Stellvertreter / G. Lobe
Entstehung
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Wortes und der That thätig zu sein und im Lichte des Gesetzes wohl abzuwägen, was man thut: dies Gebet läutert die Seelen, erhebet, stärket sie und vermehrt den Segen der Welt; solches, aus Erkenntniss hervorgegangenes, Gebet erwirket eine Gesinnung, kraft deren der Mensch bis in sein höchstes Alter jede Blume als eine liebe, geistesverwandte, wundersame Schwester ansieht, und gleichwohl, wenn die Welt in Trümmern über ihn hereinbräche, vom Einsturz als ein Unerschrockener niedergeschmettert würde. Solches Gebet macht unverzagt, stark, genügsam, zufrieden, glücklich, erhaben; es bewahret vor eigensinnigem Dünkel und elender, niedriger Selbstwegwerfung, vor Heuchelei und schänd- licher Dienstbarkeit unter der Herrschaft des Fleisches; es bringt Einheit in die Gedan- ken und Gesinnungen, in das Wollen und Thun der Menschen, es erhebt zur ächten, wah- ren Characterfestigkeit. Darum Eltern, Erzieher lehret die Kinder beten, aber das Bei- spiel ist vor allem noth!

Ist es nun dem einen oder dem andern Lehrer gelungen, bei dem Schiler das Streben nach höherer wissenschaftlicher Bildung, die Lust und Liebe zum Lernen und den rechten Geschmack an literarischen Beschäftigungen zu erwecken und ihn dafür zu begeistern, so wird sich bald als Folge davon ein lobenswerther Fleiss bemerklich machen, aber selbst von einem solchen Schüler der minder fleissigen, nicht zu gedenken hört man heute mehr als zu den Zeiten der Väter die Frage aufwerfen, und hiermit be- zeichnet man wieder einen neuen Fehler der Schuljugend, warum sollen wir das lernen? Wozu brauchen wir das?*) Eine solche Frage findet nicht selten im elterlichen Hause ein theilnehmendes Gehör, und der Nachtheil, welcher daraus für die vermeintlich über- flüssig zu erlernenden Disciplinen entsteht, ist nicht zu verkennen und gewiss nicht ge- ring anzuschlagen. Der Umfang des Wissens und des Wissenswürdigen nimmt allerdings täglich mehr zu, und der junge Mensch in seinem Dünkel fühlt sich nur gar au oft ver- sucht zu meinen, dass er auch viel wisse, weil er vieles lernt. Unsere Kinder, rufen dann viele Eltern aus, sind jetzt im achten Jahre klüger, als wir im achtzehnten waren!

Sie mögen Recht haben, wenn klug sein heisst, dass ihnen die kindliche Einfalt frühe ver- schwinde.**)

*) Was soll ein Jüngling lernen! fragte man einen alten Weisen. Was er als Mann zu wissen braucht, war seine Antwort. Ist dies wahr, dann lernen unsere jungen Leute gewöhnlich zu viel oder zu wenig; zu viel, weil sie Manches lernen, was sie nicht zu wissen brauchen, zu wenig, weil sie Vieles nicht lernen, was sie wissen sollten. Das in Allem so seltene Nichtzuviel und Nichtzuwenig ist besonders bei dem Unterrichte und der Erziehung schwer zu finden. Wer hier das Nöthige von dem Nützlichen und beides von dem Entbehrlichen, Zwecklosen und Zweckwidrigen genau zu unterscheiden weiss, der ist ein Meister in seiner Kunst, die um so schwerer ist, weil nach der Verschiedenheit der zu bildenden Subjecte, bei dem einen leicht zu viel wird, was bei dem andern zu wenig ist.

*½) Gestiegen ist die Verstandesbildung, wer möchte das tadeln, ohne sich selbst damit als un- verständig zu bezeichnen! Aber der einseitig ausgebildete Verstand ist immer selbstsüchtig,