Aufsatz 
Über die Hindernisse, welche aus der modernen häuslichen Erziehung für einen gedeihlichen Gymnasialunterricht entstehen : Winke für Eltern und deren Stellvertreter / G. Lobe
Entstehung
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ihm den schönen, heiligen Glauben an Gott und den Heiland schon früh und ihr habt ihm has Herzblut seines Lebens abgezapft, habt mit eigener Hand jede Stütze gewaltsam ihm für dieses und jenes Dasein vernichtet. Der heilige Glaube ist das wahre Central- ſeuer der Geister, ist, wie Schwarz es ausspricht, das grosse Läuterungsmittel aller Seelen, ist ein Aufstehen vom Geistestode und ein Sieg über die vergängliche Welt. Dieser Glaube muss unsre Jugend beseelen, sie ganz und gar durchdringen, wenn sie zu einer Generation erwachsen soll, bei welcher der Name tugendhafter Character kein leerer Wortschall ist, ihn anzustreben ist daher heiligste, höchste Aufgabe der Erziehung. Und diese erhabene Aufgabe wird ihre enisprechende Lösung besonders dadurch finden, dass man auf die Kinder von frühauf derartig einwirke, dass sie in dem Zufälligen das Nothwendige, im Zeitlichen das Ewige, im Menschlichen das Göttliche, im Natürlichen das Heilige erkennen und bewahren lernen. Das religiöse Beispiel der Eltern, wahrhaft- vernünftiger, biblisch-gemüthlicher Religionsunterricht, fern von allem modernen licht- freundlichen Auffkläricht, und das echte Gebet sind die entsprechenden Mittel dazu. Nicht in den Steppen des Indifferentismus oder Nihilismus, worin manche Lehrer den jugendlichen Geist herumführen, findet derselbe Hebung und Kräftigung, er muss darin elend und erbärmlich verlechzen; aber auch nicht im Schlamme des Pietismus und des Aberglaubens wird er gedeihen, sondern vielmehr ersticken. Beides sind Extreme, vor denen die Erziehung sich zu hüten hat, wenn ihr Werk nicht Unheil und Verderben bringend werden soll. So muss auch das häusliche Gebet wieder in seine Würde und unveräusserlichen Rechte treten;denn, sagt Schwarz, das Gebet soll das ganze Leben beherrschen und das ursprüngliche Freiheitsgefühl in dem Kinde wecken und stärken. Das Gebet ist der grösste Hebel, womit sowohl die Erkenntniss- als Gefühls- und Wil- lenskraft aus ihren Tiefen gehoben werden soll. Nur am Gebet kann sich alles Göttliche im Menschlichen entfalten und beleben, durch Gebet und Anflehn muss dem Herzen die neilige Kindesgestalt bewahrt werden und das einfältige Auge, das Gott schaut. In der Läuterungsfluth der Andacht soll die Menschenseele täglich gebadet werden, damit ihre Befleckung sich nicht als Geschwüre einfresse und schlimme Wunden zurücklasse. Das Gebet führt zum Vater der Liebe und der vertrauliche Umgang mit dem himmlischen Vater kann allein das Herz rein halten und den Geist gewiss machen. Der Grund aller Wahrheit ist Umgang mit Gott und je anhaltender das Kind, der Rnabe, der Jüngling die- sen Umgang geniesst, desto wahrhaftiger wird er sich aussprechen, desto weniger vom geraden Wege abirren.

Welchen Trost und Muth, welche Kraft und Erhebung, Stärkung und Beseligung das Gebet zu geben vermag, muss jeder an sich selbst erfahren haben. Das Gebet so im Geist und aller Wahrheit geschieht, däs Gebet so ohne vieles Wortgepränge im vertrau- ensvollen Hinblick auf Gott geschieht, das Gebet so nie ohne die innigste Gemeinschaft mit dem reinen Willen, mit dem ernsten Streben ist, stets mit Redlichkeit des Gedankens,