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übersprudelnde Jugendkeraft sich ganz besonders richtet, und wehe denen, welche nicht Kraft genug besitzen, um diesem jugendlichen Andringen Widerstand zu leisten. Solche Lehrer sind dem Spotte dieser jungen Menschen ausgesetzt und ihre Lebenskraft wird nicht selten durch übermüthige Jugendkraft, die in ihrem Auftreten nicht die geringste Rücksicht auf moralisches Zartgefühl nimmt,*) gebrochen.
Man geht jedoch noch weiter, als bisher gezeigt worden, in den Vorwürfen, welche man, von der einen Seite mehr, von der andern weniger, der heutigen Schuljugend macht: man beschuldigt sie nämlich auch eines geringen religiösen Sinnes, eines nicht allzufreiwilligen Rirchenbesuchs, den sie nicht selten sogar als Zwang an- sehe. Allerdings einer der wichtigsten und bedenklichsten Vorwürfe; in so weit er wahr ist, und den oft der beste Religionsunterricht auf Gymnasien nicht ganz zu heben ver- mag. Die Schule besitzt ihre Schüler nie ganz, die schädlichen, das sittliche Gefühl und das Leben störenden Einwirkungen von Aussen, mit dem dieselbe und ihre Schüler zu kämpfen haben, und die oft durch das ganze Schulleben fortdauern, sind zu mannigfaltig und mächtig, ja manche Zöglinge sind wohl gar bei der Aufnahme in das Gymnasium nicht unberührt geblieben von dem Gifthauch des Unglaubens, der Freigeisterei und Fröm- melei, der in unserer trüben Zeit fast alle Stände der Gesellschaft ergriffen hat. Wie viele Familien finden noch in der Religion die Heiligung des Sittengesetzes durch den Glauben an Gott, Jesum, Vorsehung und Unsterblichkeit? Die Religion ist dem Menschen das was ihn mit der Gottheit vereinigt; sie ist dem Geiste was er selber dem Leibe. Sie ist der Einklang aller im Menschen wohnenden Kräfte mit dem heiligen Willen des Va- ters im Himmel. Sie kündigt sich an als ein mächtiges Gefühl vor der Allmacht des Unerforschlichen, das unser Innerstes tief ergreift, des Menschen Stolz niederbeugt und seinen Geist bindet. Religion ist ein lebendiges im Herzen wohnendes, das ganze Gemüth durch- dringendes Etwas— der Sinn für das Heilige und Unendliche— oder wie es unsere heiligen Bücher nennen— das Leben in Gott. Religion ist das Gefühl der Ohnmacht vor der Allmacht, das Gefühl menschlicher Abhängigkeit von einem höchsten Urheber des Seins. Religion ist dem Menschen das Heiligste, soll und muss ihm das Heiligste sein. Diese im Menschen schlummernde Religion muss früh geweckt im Elternhause ihre ersten, nie wankenden Altäre erhalten und tiefe Wurzeln für eine Ewigkeit im Herzen der Kin- der schlagen. Aber das religiöse Leben in den meisten Familien hat keine äussere Ge- stalt mehr, Hausandachten und Gebete sind längst daraus verschwunden, folglich wird auch die Jugend nicht mehr davon ergriffen und erfüllt. Auch diesen Mangel soll die Schule ersetzen, der aber kaum und sehr schwer zu ersetzen ist. Wie an gesunde Luft muss auch das vernünftige sittliche Wesen an Religion gewöhnt werden. Nehmt
*)„Ein wirklich inniges Verhältniss, sagt Callinich, zwischen Lehrer und Schüler ist nur eine seltene Erscheinung. Es ist wirklich höchst auffallend unter diesen jungen Leuten, dass sie in Bezug auf ihr Verhalten gegen den Lehrer oft gar kein Gewissen zu besitzen scheinen.“—


