Aufsatz 
Über die Hindernisse, welche aus der modernen häuslichen Erziehung für einen gedeihlichen Gymnasialunterricht entstehen : Winke für Eltern und deren Stellvertreter / G. Lobe
Entstehung
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unverhältnissmässige Last auf die Schultern des Lehrers fällt, wenn er für Ordnung, Fleiss, Entsagung, Selbsterkenntniss eifert, und das Gewicht seiner Ermahnung, die Wir- kung seiner Zucht, der Erfolg seiner Strenge, schon sich abschwächend, so bald der Zög- ling hinter der Pforte der Schule das Freie gewinnt, da, wo sie neue Energie, neue Span- nung, neuen Segen gewinnen sollte, an der Schwelle des Hauses, ganz aufhört. Wird nicht auf diese Weise das Herz der Jugend, noch ehe sie Unterscheidung des Guten und Verkehrten, Stärke zur Selbstwahl, Gewöhnung des Bessern gewonnen hat, auf eine ge- führliche Weise in die unwillige Ubernahme eines zwingenden Verhältnisses und in den erwünschten Genuss zuchtloser Freiheit gespalten? Wem wird sie, bei dem vorherrschen- den Kitzel ihres sinnlichen Theiles, mehr Geschmack abgewinnen? Schreiten daher Lehrer mit Beihülfe des Gesetzes, aber ohne kräftige Unterstützung von Seiten der Eltern gegen dieses leidige Commerciren und Tabagiren, was allzufrüh dem Universitätsleben nachgeahmt wird, nachdrücklich ein, oder werden die Schüler durch eine strenge Hausordnung in diesen Dingen gestört: so bietet ihr Witz, ihre Verschlagenheit, ihr Scharfsinn Alles auf, um dieser Fesseln ledig zu werden, und ein nicht gerade löbliches Betragen gegen die Lehrer ist die Folge davon. Dieselben sind dann die Angriflspunkte, auf welche die

Wesen. So Cornelia, die Mutter der Gracchen, so Aurelia Cäsars, so Atia, August's Mutter. Ihre Zucht und Strenge hatte besonders den Zweck, dass die wahre ächte, noch durch keine Schlechtigkeit verführte Natur eines jeden sich mit voller Seele den schönen Künsten weihe. Uberhaupt war die Erziehung verdorben, so war auch das Hauswesen verschlechtert und mit ihnen der hauptsächlichste Mittelpunkt desselben die Frauen, welchen gewiss auch grosse Schuld bei der Verderbtheit der Kinder beizumessen war.

Luther sagt nach Salomo: Die Weiber sind von Gott geschaffen zu ihren Werken, näm- lich zur Haushaltung, zum Kinderziehen, und wozu ein jeder geschaffen von Gott und beru- fen ist, das richtet er am besten aus. Es greift ein Weib viel besser zu dem Kinde mit dem kleinsten Finger, denn ein Mann mit beiden Fäusten. Darum soll ein jeder bleiben in dem Werke, dazu er von Gott berufen und geschaffen ist.

Das grosse Zeitübel, sagt Pestalozzi, und das grosse, fast unübersteigliche Hinderniss der Wirkung aller soliden Mittel dagegen ist dieses: unsere Zeitväter und Zeitmütter sind fast allgemein aus dem Bewusstsein, dass sie etwas, dass sie alles für die Erziehung ibrer Kinder thun können, herausgefallen. Dieser grosse Abfall der Väter und Mütter vom Glauben an sich selbst, ist die allgemeine Quelle der Bodenlosigkeit unserer Erziehungsmittel.

Man ist wegen der heutigen fehlerhaften häuslichen Erziehung auch auf manches Unstatt- hafte verfallen; so gibt Cunradi in seiner Schrift: Vergleichung der spartanischen Staats- bürger-Erziehung mit der unsrigen, folgenden Vorschlag:Im siebenten Jahre sollte man den Eltern die Knaben wegnehmen und sie bis zum vierzehnten in gemeinschaftliche Erziehungs-

häuser bringen und sie daselbst in Abhärtung ihres Körpers, im Denken und Gehorsam üben; später dürfte sich dann jeder Knabe zu einem bestimmten bürgerlichen Berufe und zur Er- langung der nöthigen Kenntnisse bilden. Sogar Fichte in seinen Reden an die deutsche Nation ist im Allgemeinen dieser Meinung.

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