Aufsatz 
Über die Hindernisse, welche aus der modernen häuslichen Erziehung für einen gedeihlichen Gymnasialunterricht entstehen : Winke für Eltern und deren Stellvertreter / G. Lobe
Entstehung
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wohl rathsam, diesen Wurm in der Seele des Knaben absichtlich zu wecken, wenn er ja schläft? Und wenn man glaubt dieser Trieb sei zu mächtig, um je zu schlummern, darf er dann durch den Erzieher wir setzen hinzu durch Eltern auf irgend eine Weise genährt und durch irgend ein Gesetz geheiligt werden, während er doch vom Argen ist und zum Argen führt?*) Wenn Einige zu den bis jetzt gerügten Fehlern noch eine gewisse Neigung unserer Schuljugend zu sittlicher Rohheit, zu gemeinen Spässen und niedrigen, ungeziemenden Worten, welche oft unbedachtsam und nicht in der Absicht da- mit zu schaden, herausgestossen werden, bedenklich hinzufügen, so kann dieser Vorwurf auf jedem Gymnasium stets nur einzelne wenige Schiller treffen, deren gewissermassen an- geborne Rusticität in eine Urbanität umzuschmelzen, weder der besten Erziehungskunst noch dem feingebildetsten Lehrer bislang zur Geniige gelungen ist. Weit mehr nimmt unsere Aufmerksamkeit in Anspruch jenes freundschaftliche Zusammenkommen der erwachsenern Schüler, welches oft unter dem Vorwande gemeinschaftlichen Lernens ge- schieht und nicht selten in ein sogenanntes Commerciren und Tabagiren ausartet. Es ist dieses eine weit verbreitete durch die allgemeine Lebensrichtung begünstigte Sucht, was für spätere Lebensverhältnisse aufbewahrt bleiben sollte, anticipirend schon in frühern zu geniesseu, was dann in der Regel zu jener Blasirtheit, die junge Leute häufig wie Greise erscheinen lässt, führt und sie gleichgültig stimmt für Alles, was in Lust und Schmerz die Seele bewegt. Auch dieser Richtung geschieht nur zu oft durch die häusliche Erziehung Vorschub, durch eine allzunachgiebige Moral, durch ein gar zu weites Gewis- sen; denn in dem Maasse, wie aus den Wänden seiner Wohnung die Gewalt öffentlicher Dinge den Vater, den Staatsbürger, in die Zerstreuungen des Lebens gezogen, hat seine Aufsicht über die Disciplin daheim an ihrer Nachhaltigkeit verloren, und er ist allmäh- lich gewöhnt worden, seiner Kinder Erziehung, die Schulung ihrer Sitte, die Handhabung der gesetzlichen Vernunft gegen deren Vergehungen und Unarten ausschliesslich dem Leh- rer zu überlassen.**) Selbst die Genien des häuslichen Heerdes, bei denen da, wo auch schon früher der Drang seiner Pflichten den Mann in das öffentliche Gewühl hinaustrieb, die Zügel des Familienregiments in fester Hand ruhten, die treuen Mütter, haben mehr und mehr der unruhigen Bewegung des Zeitsinnes, des Gesellschaftsdranges nachgegeben. Bewähren sie noch ihre Sorgfalt, ihre Zärtlichkeit, ihren holden Willen für das Beste der Ihrigen und im vollen Sinne des Worts, wie sie sollten? Suchen sich nicht viele vom Dunstkreis der Küche und der Kinderstube zu emancipiren? Genug, auch sie haben un- endlich mehr Nachsicht und Schwachheit, als Festigkeit übrig, in der sich gleichwohl in so unendlichen Fällen allein die wahre Liebe zeigen kann.*) Nun erwäge man, welche

*) Döderlein: Rede über den Ehrtrieb. **) Director E. Weber a. a. O. ***) In der bessern Römerzeit leitete die Mutter nicht blos die ernsten Beschäftigungen, sondern auch die Erholungen und Spiele der Knaben durch ein gewisses, hehres, Ehrfurcht gebietendes