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ſen nutzen sich aber zu schnell ab, um nicht für seltenere Fälle und für reifere Jahre aufgespart zu werden. Was bleibt also übrig, als die alten wohlkekannten durch Jahrtau- sende erprobten Mittel?*) Nicht in der Ausartung, wie sie in rohen Familien noch im- mer erscheinen, und wie sie in den Zeiten der pädagogischen Verwilderung und Ernie- drigung zu Hause waren, sondern mit den Modificationen, welche die gestiegene Civili-
*) Schon Jesus Sirach rieth:„Beuge dem Knaben den-Hals! Bläue ihm den Rücken, dieweil er noch jung ist!’ Salomo's Sprüche:„Ein Vater der die Ruthe schont, hasst seinen Sohn, wer ihn aber lieb hat, züchtigt ihn. Ihr Väter, ziehet eure Kinder auf in der Zucht und Ver- mahnung zum Herrn.“ II. II, 265— 68. XX½εενσέά ναμμσαdeοσα etc. Die Zucht war bei den Römern streng; Schläge waren etwas Gewöhnliches und wurden selbst von dem stoischen Philosophen Chrysipp gebilligt. UÜbrigens mussten die Schüler bei den alten Römern rein- lich gekleidet, gewaschen und gekämmt, ohne Lärm die Schule betreten, die Lehrer begrü- ssen und ihre bestimmten Plätze einnehmen. Auf ein anständiges, bescheidenes Benehmen wurde besonders gesehen. Die alten Griechen aber hatten in Betreff der Schläge wieder sehr liberale und gemässigte Grundsätze, und nicht bloss Sokrates thut über die Erziehung durch Milde und Liebe einen trefflichen Ausspruch, sondern das griechische Leben selbst in dem herrlichen Sprüchworte:„Wen das Wort nicht schlägt, den schlägt auch der Stock nicht“. Wenn die Knaben der Obhut der Lehrer entwachsen sind, zwingt sie der Staat die Gesetze zu lernen und nach denselben, nicht nach eigener Willkühr, zu leben. S. Cramer's bereits am Eingange angeführtes Buch.— Wer erinnert sich hier nicht an Mad. Genlis, welche Burke einst nach dem Princip der englischen Erziehung fragte, und er sie auf die jungen Birken in Hydepark hinwies, wo das Princip wachse.
Am kräftigsten spricht sich F. Thiersch gegen den modernen Liberalismus der Schul- zucht aus— in dem Werke über Gelehrtenschulen Abth. IV, S. 459.— Nachdem er der festen, althergebrachten und erprobten Schulzucht das Wort geredet, fährt er fort: Blicken wir auf die Beschaffenheit der Zucht in unsern Gymnasien, so werden wir fast überall viel Unbestimmtes, Formloses, Mangel an durchgreifenden Schutz bei den Behörden, Nachlassen in der Beharrlichkeit bei den Schulen finden. Rücksichten auf Eigensinn und Verwöhnung der Alten und Jungen, hier Proben neumodischer Weisheit, die den Tanz am Abgrunde ge- stattet, um den Tänzer nicht unsanft hinwegzureissen, dort Lob der unmännlichen Herablas- sung, die den Alten zum Knaben macht, um den Knaben besser zu führen, und während in England der gewaltige Minister seinen Liebling der verdienten Züchtigung nicht entreissen kann, hier den letzten Rath und sein unverständiges Eheweib mit dem Lehrer eifernd, weil er die gröblich verletzte Schulordnung an ihrem verzogenen Sohne rächen und durch Strafe ihn bessern will. Dazu die Auflösung der häuslichen Verhältnisse, die Schmausereien und Zerstreuungen, Tanz und Ball, Theater und Concert, ja das Gasthaus und das Weinhaus und am Ende— das Leihhaus! Die klösterliche Zucht mit Schwächung der Kraft sah Thiersch zu Rom und Modena; die Strenge der altenglischen Schulen mit blühender Kraft der Eton boys zu Eton.
„Man zähle nur die Beispiele, sagt Döderlein, ob Kinder und Zöglinge aus allzustrenger Zucht öfter missrathen sind, als jene aus allzumilder Pflege“.


