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sie ergänzt, so wenig gedeihliche und erfreuliche Früchte wenigstens bei der Mehrzahl der Schüler hervorbringt; nicht an der der Schule, ihren Einrichtungen, ihren Lehrern und deren Verfahren wird man das Hemmende und Störende finden, nein, es liegt der wunde Fleck vielmehr in der grossen Kluft, die sich zwischen Schul- und Elternhaus aufgethan hat und die sich immer weiter öffnet; in dem wachsenden Missverhältniss zwi- schen dem Ernst und der Anstrengung der Schule und der Untheilnahme, ja Nachlässigkeit des Hauses, in der bedauerlichen Trennung und Geschiedenheit, worin Eltern und Lehrer zum Theil leben, in der geringen Handbietung und in der zunehmenden Theilnahmlosiglkeit an öffentlichen Prüfungen elterlicher Seits*). Es soll damit freilich nicht behauptet wer- den, als wenn Eltern und deren Stellvertreter den Werth und die Bedeutung der Schule nicht einsähen, als wenn ihnen diese nicht in Beziehung auf ihre Kinder eine heilige Her- zensangelegenheit wäre und tief in ihrem Pflichtbewusstsein wurzele; nein, gewiss nicht, bei Eltern, mit denen es das Gymnasium zu thun hat, seizt man Einsicht und Bil- dung, Kenntniss ihres Berufs und ihrer Bestimmung als Eltern zuversichtlich voraus; dennoch treten viele in geraden Widerspruch mit den Schuleinrichtungen und ihren Ge- setzen, in offenbares Widerstreben und Parteinahme**) gegen die Lehrer und ihre Hand-
wurde, und welche Wohlthat damals Campe, Salzmann u. a. durch ihre Erziehungssysteme dem Zeitalter erzeigten. Wenn der Verfasser weiter an seine Meinung die Besorgniss knüpft, dass Eltern jetzt mit Hülfe pädagogischer Bücher und Theorien die Jugend beobachten und erziehen wollen, ohne des richtigen Gebrauchs der allgemeinen Sätze mächtig zu sein, so theile ich die Besorgniss nicht; denn die allgemeine Lesewuth greift gewöhnlich nach ganz andern als Erziehungsbüchern— auch sind wir in der Theorie der Erziehungskunst über- haupt viel weiter, als wir in der Praxis nachkommen können— und wenn auch einzelne Ausnahmen zu gestatten sind, so möchten Eltern nur gegen zu grosses Selbstvertrauen zu warnen sein, nicht gegen Bücher, ohne welche sie vielleicht noch mangelhafter erziehen würden. Uberhaupt ist der Mensch beschränkt genug den andern nach den aus seiner Erziehung be- wussten Regeln zu seinem Ebenbilde erziehen zu wollen: dann aber sind freilich Viele glück- lich zu preisen, deren sich das Schicksal annimmt, welches doch zuletzt jeden noch nach sei- ner Weise erzieht. Das Schicksal ist ein vornehmer, aber theurer Hofmeister, sagt Göthe.
*) Man entschuldige sich nicht damit: Griechisch, Lateinisch, Mathematik u. a. verstehe ich nicht, zudem erhalte ich ja die Zeugnisse; aber zu verstehen ist immer, ob ein Schüler etwas weiss, oder nicht; und dann sind doch wohl einige Stunden jährlich einmal, selbst bei dem grössten Geschäftsdrang für eine öffentliche Prüfung zu erübrigen. Trefflich äussert sich darüber der würdige Veteran Döderlein in einer Rede über den Werth einer strengen Schulzucht:„Wenn der Vater in der Absicht sein Kind zur Schule schickt, um sein ver- gessen zu können, wenn ihm die Pflicht der Nachfrage nach dem Gedeihen des Sohnes lästig, selbst unverlangt einkommende Nachrichten und Zeugnisse ärgerlich sind, dann ist der Segen in dem Wirken des Lehrers schwer gefährdet. Der Vater muss nicht der abgetretene Vorfahr, er muss der gleichthätige Amtsgenosse des Lehrers seiner Kinder werden“.—
**) Die Kinder stehen jetzt den Eltern näher als vor fünfzig, sechzig Jahren, wie schon das da- mals höchst seltene, jetzt aber— ob zum Guten oder zum Üblen, bleibe hier unentschieden—


