Aufsatz 
Über die Hindernisse, welche aus der modernen häuslichen Erziehung für einen gedeihlichen Gymnasialunterricht entstehen : Winke für Eltern und deren Stellvertreter / G. Lobe
Entstehung
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Endlich hat auch die Disciplinar-Verfassung eine ganz andere Gestalt angenommen als früher. Die ehemals oft zu leidenschaftliche nicht selten rohe Persönlichkeit vieler Lehrer, die von der Last täglicher Lehrstunden fast erdrückt und von ängstlichen Nah- rungssorgen gefoltert, ihren Unmuth und ihre üble Laune nur zu häufig und im UÜbermass der Schuljugend entgelten liessen, ist durch milde Gesetze und Verordnungen von Seiten der Staatsbehörden, durch die Humanität des Jahrhunderts und der Jugendbildner und qurch die Civilisation, die fast alle Stände durchdrungen, ganz in den Hintergrund ge- treten. Eine aus dem Princip der christlichen Menschenliebe hervorgegangene Behand- lung, welche väterliche Strenge mit Nachsicht und Geduld verbindet, herrscht fast durch- weg auf allen Gymnasien. Es ist diese das erfreuliche Resultat für die Gegenwart, wel- ches aus der Mitte zweier frühern Extreme hervorging, aus der fnstern, starren und strengen Klosterzucht und aus dem spielenden und tändelnden Philanthropinismus, welcher jene zwar verdrängte, der aber auch bald in seiner eigenen Schwäche seinen Untergang fand.

Nach diesen kurzen Bemerkungen über das Sonst und Jetzt der deutschen Ge- lehrtenschulen, muss es ganz besonders auffallen, wenn man von einer sinkenden Wirksamkeit*) derselben und zwar von sachverständigen und einsichtsvollen Schul- männern selbst, reden hört. Man fragt mit Recht nach den Ursachen dieser betrübenden Erscheinung; man sucht seit lange und mit allem Ernst und mit einem der Wichtigkeit der Sache angemessenen Eifer die Gründe davon aufzufinden und die wahrhafte Lebensfrage zu einer genügenden Beantwortung zu bringen; leider ist diese bis jeizt noch nicht zu einer allgemeinen Zufriedenstellung ausgefallen, und namentlich eine Hauptursache dabei nach ihrer Wichtigkeit und Allseitigkeit nicht genug gewürdigt und beleuchtet worden die moderne häusliche Erziehung. An ihr liegt es, dass der heutige Schul- unterricht**) und die Schulerziehung, die auf einer soliden häuslichen stets fortbaut und

in allen Kreisen als ein Gegenstand von der höchsten Wichtigkeit betrachtet; die Schule, ihre Angelegenheiten und Lehrer geniessen ein Ansehn und eine Achtung, die nicht allein den persönlichen Eigenschaften der Einzelnen gezollt wird, sondern auch dem in aller Augen wichtigen und ehrenwerthen Platze, den sie in der Gesellschaft einnehmen. Es sind diese Worte zugleich die beste Widerlegung der Kusserung Lord Brougham's über die preussischen Schuleinrichtungen. S. v. Raumers Brieſe über England, Brief 3 S. 221.

S. ferner: Leiden und Freuden des Schulmannes. Ein Vortrag vom Director E. Weber in Bremen. 1831.

*) H. Alberti u. A. S. Jahns Jahrbücher etc. 1845.

**ε)Der Schulunterricht ist jetzt besser, sagt Ohlert, die häusliche Erziehung aber schlechter als sonst. Wer aber die Geschichte der Erziehung fragt, weiss, wie manierirt und verkün- stelt in den letzten Decennien des vorigen Jahrhunderts auch die Erziehung in den höhern Ständen war, und mit welcher rohen Sorglosigheit in den mittlern und untern sie betrieben