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ihr Recht. Die christliche Religion brachte, was jenen Völkern fehlte, in die griechische Wissenschaftlichkeit religiösen Gehalt, in die römische Legalität sittliche Würde, in die jüdische Frömmigkeit, Freiheit und Licht, und indem sie die Scheidewand des Particula- rismus durch das Gebot einer allgemeinen Bruderliebe niederwarf, erhob sie den eng- herzigen Nationalgeist zum Weltbürgersinn. Gleichwohl verliert sich die absichtliche Bildungsweise im Einzelnen in die Bildungsgeschichten der alten Völker, tritt aber erst allgemein in ihrer ganzen Bedeutung in dem spätern christlichen Erziehungswesen hervor. Das Alterthum hatte schon genug gezeigt, dass sich dem Menschen keine Aufgabe, keine Schwierigkeit stellte, die er nicht, wenn auch erst nach unendlichen Versuchen, über- wunden hätte. Überall entsprachen die vielseitigen Kräfte des Menschen den Anforderun- gen des Lebens und liessen sich zu allen Zwecken auf das bereitwilligste heranbilden. Die Bildungsfähigkeit des Menschen wurde daher nicht bloss nach Zwecken des äussern Lebens geregelt und entwickelt, sondern immer wieder nach den Zwecken des menschlichen Le- bens überhaupt gefragt. Die Antworten, welche das Alterthum darauf durch den Mund aller seiner Weisen gab, genügten nicht. Keine war erschöpfend, keine dauernd, keine konnte sich zur allgemeinen Anerkennung durcharbeiten. Mochten sich auch ganze Schu- len an die Meinungen eines Mannes anschliessen, zu einer allgemein anerkannten Lehre, zu einer Wahrheit im rechten Sinne des Worts, erhob sich kein Sterblicher. So viel vorläufig im Allgemeinen über Erziehung.*)— Was nun den gegenwärtigen Standpunkt des Unterrichts auf Gymnasien hetrifft, so darf man ihn mit Recht als einen erfreulichen bezeichnen; denn wenn auch die Gymnasien in einem fortwährenden Läuterungsprocesse ihrer innern Zustände begriffen sind; wenn man an ihnen auch noch ein beständiges Ringen nach Festem, Bestimmtem und Haltbarerem gewahrt, so muss man doch auch das viele Gute und Zweckmässige, was sie bereits in sich fassen, anerkennen und achten. Nur wenige von den Anforderungen, die der theilweis ungestüme Zeitgeist an sie machte, sind unerfüllt geblieben, diese wenigen musste man aber zurückweisen, sollte er nicht das ganze auf classischem Boden gegründete Unterrichtssystem erschüttern, obwohl es in seinen Tiefen unwandelbar feststeht. Der Kampf, den die Gelehrtenschulen mit Theologen, Arzten und dem Geiste des Realismus, welcher nicht rückwärts schaut und aus der Vergangenheit seine Bildung haben will, sondern sie an der muntern, sprudelnden Quelle der Gegenwart schöpft, ist demnach einem glücklichen für alle Theile ersprieslichen Friedensabschlusse nahegekommen. Selbst die vermeintlichen Widersprüche mit dem Zeitbewusstsein sind durch den erweiterten Gesichtskreis der Gymnasien und deren engeres Anschliessen an die Gegenwart fast als gehoben zu betrachten. Man wird sich immer klarer bewusst, dass für einen jetzigen StaatsIbeamten, er mag nun am Altar oder am Gerichistische wirken, die vergangene Grösse Griechenlands und Roms mit ihren Sprachen zu kennen nicht mehr
*) S. Mager's treffliche Revue 1845.


