Aufsatz 
Über die Hindernisse, welche aus der modernen häuslichen Erziehung für einen gedeihlichen Gymnasialunterricht entstehen : Winke für Eltern und deren Stellvertreter / G. Lobe
Entstehung
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hend fortgehen. Wenigstens spricht man in diesem Sinne von einer natürlichen, absichts- losen Erziehung und setzt diese der künstlichen, absichtlichen entgegen. In der letzten Beziehung allein kann die Rede von einer Wissenschaft und Kunst der Erziehung sein, und in jener die drei grossen erziehenden Elemente die Natur, die Schickesale und die Menschen gedacht werden. Ihre Einwirkungen sind als die mächtigsten leicht erkenntlich. Wie auf der einen Seite die innere Natur des Individuums, so auf der andern die äussern Verhältnisse, wie der stille Fortgang in den zufällig scheinenden Ereignissen des täglichen Lebens, so die plötzlichen Glücks- und Unglücksfälle, wie der Einfluss der ganzen Um- gebung in Familie, Gemeinde, Kirche, Staat, so der besondern des einzelnen Menschen durch Rath und Handlungsweise, wirken leitend, fördernd und beschränkend überall und bis ans Ende des Lebens. Ihrer Macht und Einwirkung kann sich keiner entziehen oder fremd bleiben. Sie bilden die grosse Schule des Lebens und erlahmen nie in ihrer wechsel- seitigen Thätigkeit. Obwohl sie ihr Geleit ohne Regel und Absicht geben und wie vom Zufalle regiert zu sein scheinen, so bietet doch ihr Resultat ein Ganzes und in dem Lebens- pfade eines Jeden einen Zusammenhang, wie ihn die consequenteste Erziehung der Schule nicht zu geben im Stande ist. Diese Erzieher waren es allein, welche nicht bloss ein- zelne Charactere bildeten, sondern ganze Völker zu grosser, ruhmreicher Entwickelung führten. Die Weisen und Helden des Alterthums, die grossen Völker der Griechen und Römer, sind in dieser Schule gebildet und erzogen, ja darin unsere Lehrmeister gewor- den. Sie hört noch immer nicht auf zu wirken, bildet vielmehr die Grundlage der ab- sichtlich nach Zweck eingerichteten Bildungsweise. Will diese ihr Ziel nicht verfehlen, so muss sie jene allgemeine Entwickelung, so weit es möglich ist, thätig mitwirken lassen und ihr alle die Vortheile abgewinnen, die sie bietet. Die absichtliche Bildungsweise hat ihre Schwierigkeit in der Bestimmung des leitenden Zwecks. Die Einheit und Festig- keit desselben regulirt das Ganze; ohne dieselben ist Willkühr, Theilung, Haltlosigkeit allgemein. Die Frage ist noch immer nicht beantwortet, warum das Alterthum kein Schul- und Erziehungswesen in dem Sinne, wie das Christenthum, hatte. Der Angelpunkt der Beantwortung scheint in der Unbestimmtheit zu liegen, worin das Alterthum über den allgemeinen geistigen Lebenszweck der Menschen war; da es dessen entbehrte, konnten die alten Völker auch nicht absichtlich ihre Bildung darauf hinrichten und somit nicht zu einem allgemeinen Strebepunkte und zur Einheit gelangen, welche das Christenthum in allen Theilen durchdringt. Im Christenthum ist allen modernen Völkern, und das zeugt allein schon von seinem göttlichen Ursprunge, ein Lebenskern gegeben, dessen unversieg- liche Entfaltungskraft mitten aus der Verderbniss immer neue Gesittigungskeime her- vortreibt und darum der neuen Civilisation, den neuen Nationalitäten, den neuen Staats- formen eine ungleich nachhaltigere Dauer verheisst, als sie die antiken gehabt haben. Das Christenthum trat an die Stelle des Reinmenschlichen in der griechischen Bildung. Die Unendlichkeit des Selbstbewusstseins, unendlich tiefer als das griechische, verlangte