2 habe ich bei V. 20 Nichts, bei V. 21 nur sehr Weniges bei- behalten. Dagegen waren es nur Nebenpunkte, hinsichtlich deren ich bei V. 15 und 19 von meiner früheren Ansicht abging. Bezüglich meiner neuen Auffassung aber schien es mir, als gestalte sich ihr zufolge die Auslegung nicht blosz der betreffenden Stellen, sondern auch des gesammten mit ihnen zusammnenhängenden Abschnitts in einer Weise, wonach das Einzelne wic das Ganze, von einem durchgreifenden Zusammenhange getragen, einen ebenso einfachen wie sach- gemäszen Sinn biete, demnach aber sich im Lichte einer allseitigen Klarheit zeige. Und hieran eben knüpfte sich meinerseits die Hoffnung, es könne mir nach neuem Suchen vielleicht dennoch gelungen sein, das Richtige zu finden. Ob nun diese Hoffnung mich nicht vielleicht dennoch trüge, haben Andere zu beurtheilen. Jeden Falls glaubte ich, das⸗ sie mir die Pflicht auferlege, mit meiner neuen Auffassung ohne Rücksicht darauf, ob sie Beifall oder Tadel finden werde, in einem nochmaligen, auf jene Vorstudien sich stützenden Versuche hervorzutreten.
Mittelpunkt der nachfolgenden Erörterungen ist V. 20
als diejenige Stelle, welche auch den neuesten Erklärungs-
versuchen*) gegenüber ihren alten Charakter— den eines exegetischen Räthsels— noch immer behaupten dürfte.
Sollte aber die Auslegung dieses Verses, wie sie mir vor—
schwebte, hier mit der nöthigen Klarheit versucht werden, so
*) Vgl. namentlich den Aufsatz:„Die cruxinterpretumes in den Theol. Stud. u. Krit., Jahrg. 1867. II. 2, S. 331 ff., u.„Th. Grossi de epistolae ad Galatas datae capitis III vers. 19, 20 commentatio. Marb. 1868. daf cine specielle Bestreitung dieser Erklärungsversuche wird hier nicht eingegangen. Was sich im Folgenden gegen die tra- ditionellen Erklärungen überhaupt bemerkt findet, gilt auch mit Bezug
auf sie, und eines Weiteren schien es mir nicht zu bedürfen.


