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noch viel weniger die Siciliens. Eine Reihe von Lehrgegenſtänden war gar nicht vertreten; von den neueren Sprachen, von ver⸗ gleichender Sprachkunde, von Geſchichte und Geographie, von bibliſcher Eregeſe war faſt gar keine Rede. Mit der Mehrzahl der Disciplinen war es ſehr dürftig beſtellt. Das geſammte Univer⸗ ſitätsweſen hatte den Anſtrich der Schule. Wohl erzählt man, daß in dem griechiſchen Seminar zu Palermo Darſtellungen der griechi⸗ ſchen Tragiker gegeben wurden, daß einzelne Stücke von Sophokles und Euripides ſehr gut aufgeführt wurden; allein hier werden die Geiſtlichen gebildet für die griechiſchen oder vielmehr albaneſiſchen Colonien, deren ſeit Skanderbeg's Tode zahlreiche ſich in Calabrien und Sicilien niederließen, und welche nicht nur ihre Sprache, ſon⸗ dern auch den griechiſchen Ritus vollſtändig beibehalten haben. Ebenſo haben in neuerer Zeit des Handels wegen in Meſſina und Palermo ſich neugriechiſche Familien niedergelaſſen und bilden dort kleine griechiſche Gemeinden. Bei den eigentlichen Sicilianern war von einem Studium der griechiſchen Sprache faſt nirgends die Rede. Neigebaur erzählt, p. 587, daß Crispi, der Weihbiſchof dieſer griechiſch⸗ſicilianiſchen Colonien und zugleich Profeſſor der griechiſchen Sprache an der Univerſität Palermo, der die dunkelen Stellen der im Vatican aufgefundenen Fragmente Diodor's erläutert habe, im Jahre 1846 mit nur einem Studenten den Homer las und mit einem anderen die Conjiugationen einübte; ziemlich ebenſo war es noch 1855.
Ganz ähnlich verhält es ſich mit dem Studium der hebräiſchen resp. der orientaliſchen Sprachen. Wohl hat die an 250 Jahre dauernde Herrſchaft der Sarazenen in Sicilien zahlreiche Denkmale hinterlaſſen; Bauten mit arabiſchen Inſchriften, Namen zahlreicher Städte ſind arabiſchen Urſprungs, auch im ſicilianiſchen Volks⸗ dialect finden ſich noch viele Wörter arabiſcher Herkunft, allein für die orientaliſchen Sprachen hatte nur die Univerſität Palermo eine Lehrkraft, welche aber auch meiſt brach lag. Neigebaur a. a. O.


