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zwar mußte jeder Profeſſor täglich eine Vorleſung halten und zum Beweiſe ſeiner Pflichterfüllung nach jeder Vorleſung in das Tage⸗ buch(libro d'intervento) ſich einzeichnen. Dictiert wurde nicht; Einrichtungen zum Nachſchreiben gewahrte man nicht; etwaige Bemer⸗ kungen ſah man die Studierenden oft in ein Notizbuch eintragen. Der Vortrag ſchloß ſich an das vorgeſchriebene Lehrbuch an und war meiſtens lebendig und frei.
In der Regel wurde die italieniſche Sprache gebraucht, bis⸗ weilen auch die lateiniſche; letzteres war namentlich der Fall bei den theologiſchen Vorleſungen. Der Sonnabend wurde regelmäßig zu Repetitorien und ähnlichen Uebungen(esercitazioni) benutzt.
Die Lehrtage waren für das ganze Studienjahr ſtreng nor⸗ miert im ſogenannten calendario scolastico. Das Studienjahr begann mit dem 5. November und ſchloß Ende Juni. Die übrigen vier Monate waren vollſtändig Ferien. Aber auch inner⸗ halb des Studienjahres fielen noch viele Tage aus; jede Woche regelmäßig der Donnerſtag, an welchem gar nicht geleſen wurde; dann die vielen Sonn⸗ und Feſttage, deren in Sicilien jährlich 83 gefeiert werden(die halben Feſttage nicht gerechnet), der Namenstag des Königs und der Königin. Ferner traten innerhalb der Schulzeit noch kleinere Ferien ein, vom 23. December bis zum 2. Januar incl., 12 Tage vor und bis zum Aſcherwittwoch incl., ebenſo 14 Tage vom Mittwoch vor der Karwoche bis zum Mitt⸗ woch nach Oſtern, in welcher Zeit die exercitia spiritualia abge⸗ halten wurden. Hieraus ergiebt ſich, daß die Zahl der Lections⸗ tage eine geringe war; im Studienjahr 1854— 55 z. B. waren es nur 128 Tage, an welchen Vorleſungen gehalten wurden mit Einſchluß der Repetitionen und esercitazioni.
Uebrigens herrſchte in der Benutzung der Lehrmittel, der Sammlungen, der Bibliothek ꝛc. eine große Liberalität; nicht blos alle Studierenden ſondern auch Andere hatten freien Zutritt. Das Hospitieren ward Fremden ſtets zuvorkommend geſtattet.


