Aufsatz 
Über die Universitäten in Sicilien / von Lindenkohl
Entstehung
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Palermo das Recht, den Doctorgrad in der Theologie und Philo⸗ ſophie zu ertheilen.

Was die Geiſtlichen betrifft, ſo beſtehen neben den Uni⸗ verſitäten auch noch erzbiſchöfliche Seminare, in welchen das theologiſche Studium ebenſo wie auf der Univerſität vollſtändig in drei Jahren abſolviert wird mit der üblichen klöſterlichen Ein⸗ richtung. Sie ſind meiſt viel zahlreicher beſucht als die theolo⸗ giſchen Facultäten der Univerſität. Diejenigen Theologen, welche auf der Univerſität ſtudierten, verbanden oftmals mit dem Studium der Theologie auch das der inneren Heilkunde, und auch Geiſtliche, welche ſolches Studium rite abſolviert hatten, wurden zur ärzt⸗ lichen Praxis in der inneren Heilkunde(jedoch mit ausdrücklichem Ausſchluß der Chirurgie ꝛc.) zugelaſſen.

Jede Univerſität hatte mehrere prefetti, welche aus Geiſt⸗ lichen auf den Vorſchlag des Rectors beſtellt wurden. Sie ſollten namentlich darauf halten, daß die Handlungen der äußeren Fröm⸗ migkeit nicht verſäumt würden, ſollten die Theilnahme am Gottesdienſt, Meſſe(täglich), Abendmahl überwachen. Um ſich von der Anwe⸗ ſenheit der Studierenden zu überzeugen, mußten ſie darüber ſpecielle Liſten führen. Eine jede Univerſität hatte ihre Univerſitätskirche, oratorio in welcher der maestro di spirito den Gottesdienſt beſorgte. Außerdem gab es noch eine Anzahl von Verwaltungs⸗ beamten in der Canzlei, Cuſtoden, Pedellen, Thürhüter ꝛc., wie bei allen großen Etabliſſements; ſie bieten nichts beſonders Bemerkens⸗ werthes dar.

Betrachten wir nun das Lehrſyſtem im Allgemeinen.

Die Univerſitäten Siciliens waren in fünf Facultäten eingetheilt: 1) der Theologie, 2) der Jurisprudenz, 3) der Medizin, 4) der Phyſik und Mathematik, 5) der Philoſophie und Literatur, woran ſich das Collegium der ſchönen Künſte anſchloß.

Die Vorleſungen wurden gehalten von Morgens 8 Uhr bis Nachmittags 1 Uhr; jede Vorleſung dauerte ½ Stunde, und