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jene edle Einfalt, die den ganzen Willen adelt, überall das ſittlich Gute klar heraus⸗ fühlt und keiner Sophiſterei von irgend welchen ſittlichen Ausnahmsgeſetzen zugänglich iſt. Und gerade an ſolch ſicheren Urtheilen erkennen wir Hedwigs geſunden, verſtändi⸗ gen Sinn. Als Tell mit der Sentenz:„Ich thue Recht und ſcheue keinen Feind“ ſich ſchützen will, erwidert ſie ihm, des Vogts ſittenloſen Charakter bezeichnend: „Die Recht thun, eben die haßt er am meiſten;“ und weil Geßler auf dem engen Felſenſteige vor ihm erblaßt ſei, darum ſpricht ſie, weiſe warnend: „Er hat vor dir gezittert.— Wehe dir! Daß du ihn ſchwach geſehen, vergiebt er nie.“ Darum liegt auch in ihrer auf Tells Aeußerung:„Wie kannſt du dich ſo ohne Urſach quälen!“ gegebenen Antwort:„Weils keine Urſach hat, Tell, bleibe heim,“ das zu Rü⸗ gende nicht, was Hoffmeiſter*) darin findet. Wie ſchlagend ferner ſind ihre Gründe im Hauſe des Freiherrn vor den Männern, die ihre Mutterangſt nicht begreifen: „Kann ich vergeſſen, Wies hätte kommen können? Gott des Himmels! Und lebt ich achtzig Jahr, ich ſeh den Knaben ewig Gebunden ſtehn, den Vater auf ihn zielen, Und ewig fliegt der Pfeil mir in das Herz.“ „O, rohes Herz der Männer! Wenn ihr Stolz Beleidigt wird, dann achten ſie nichts mehr; Sie ſetzen in der blinden Wuth des Spiels Das Haupt des Kindes und das Herz der Mutter!“ Hoffmeiſter**⁴) nennt das in ſeiner Weiſe ein beſchränktes Hausgefühl. Und wenn der⸗ ſelbe***) bemerkt, daß Walthers Worte:„Vater, es wird mir eng im weiten Lande“ über den Bildungszuſtand deſſelben hinausgehen, ſo würde es richtiger heißen, es gehe hinaus uͤber die Denkkraft eines Knaben überhaupt, es ſei altklug. Allein ſo unbedingt kann dieſes ausnahmsweiſe von Hedwigs Sprache, daß ſie ihren Bildungszuſtand über⸗ ſteige, nicht gelten, man müßte denn, was in der That und vielleicht nicht ganz ohne Grund behauptet worden iſt, die Denk⸗ und Redeweiſe all jener Landleute für zu hoch getragen, für zu prächtig ſententiös halten.
. a. O. V, p. **α) a. a. O. V, p. 221. a. O. V, p.


