„Zu ihm hinab ins öde Burgverließ
Dringt keines Freundes Troſt.— Wenn er erkrankte!
Ach, in des Kerkers feuchter Finſterniß
Muß er erkranken u. ſ. w.“ Und als ſie von ſeiner Rettung gehört und ſeine Rückkehr erwartet:
„Heute kommt der Vater. Kinder, liebe Kinder! u. ſ. w.“
Bei Walthers Ausruf:„Mutter, der Vater!“ erzittert ſie vor freudigem Schreck und finkt mit den Worten:„O, mein Gott!“ zuſammen und dann, als ſie ſich erholt, mit dem alles bezeichnenden Ausruf:„O, Tell, Tell! welche Angſt litt ich um dich!“ ihm in die Arme. Allein ihre Liebe zu dem Gatten wurzelt nicht in flüchtigem Gefühle, ſon⸗ dern Hedwig iſt ſich ſeines ganzen, vollen Werthes bewußt:
„Sie werden dich hinſtellen, wo Gefahr iſt;
Das Schwerſte wird dein Antheil ſein, wie immer.“
„Ja, du biſt gut und hilfreich: dieneſt allen,
Und wenn du ſelbſt in Noth kommſt, hilft dir keiner.“
Als all ihre Gedanken ſich in den einzigen, ihren geretteten Sohn in den Armen zu hal⸗ ten, zuſammendrängen und bei der lebhaften Vorſtellung von der ſchrecklichen Gefahr ſich der Borwurf gegen Tell aus dem Mutterherzen preßt, und als Baumgarten, ſie des⸗ halb tadelnd, an das traurige Los des Gatten erinnert, da tritt ſie, Tells hohen Werth vor allen preiſend, mit dem ſcharf verweiſenden Vorwurf jenem ſowie den andern ent⸗ egen: 85„Haſt du nur Thränen für des Freundes Unglück?
Wo waret ihr, da man den Trefflichen
In Bande ſchlug? Wo war da eure Hilfe?
Ihr ſahet zu, ihr ließt das Gräßliche geſchehen;
Geduldig littet ihrs, daß man den Freund
Aus eurer Mitte führte. Hat der Tell
Auch ſo an euch gehandelt? Stand er auch
Bedauernd da, als hinter dir die Reiter
Des Landvogts drangen, als der wüthge See
Vor dir erbrauſte? Nicht mit müßgen Thränen
Beklagt er dich, in den Nachen ſprang er: Weib
Und Kind vergaß er und befreite dich!“
Und als Stauffacher verſpricht, daß alle vereint ſeinen Kerker öffnen wurden, fragt ſie: „Was könnt ihr ſchaffen ohne ihn? So lang


