ſchen Worten:„Es geht ein finſtrer Geiſt durch unſer Haus,“ eine Andeutung, wie ſie Schiller auch ſonſt, auf die Zuſchauer berechnet, anwendet, z. B. die Worte Beatricens: „Dem Dämon iſt ſein Opfer unverloren,“ Tells:„Er geht noch heute.“ Uebri⸗ gens ſpricht dieſer lyriſche Erguß als Hinweis auf den Ausgang um ſo mehr an, als es ihre Abſchiedsworte von der Bühne ſind.— Während in den Piecolomini die Liebe zu Marx nur durch die begründete Furcht vor äußerer Störung getruͤbt war, hat in Wallenſteins Tod dieſe Furcht jedes heitere Gefühl überwogen; denn Thekla erkennt den verrätheriſchen Plan ihres Vaters. Bei der Zumuthung der Terzky, ihren Mar zu überreden, daß er an Wallenſtein halte unter allen Bedingungen, weiſet ſie, unbe⸗ irrt, feſt auf Ehre und Pflicht hin. Und als der in Zweifeln bangende Mar ſelber ſie ſpä⸗ ter um Rath fragt, erinnert ſie ihn, wiewohl tief erſchüttert, mit verſtändiger, auf der reinſten Sittlichkeit beruhender Reſignation an ſeinen Eid und an ſeine Pflicht. In dem Grade aber, als ſie des Vaters Handlungsweiſe als ſündhaft verwirft, fühlt ſie ſich zur gleichgeſinnten Mutter hingezogen, vor deren verletztem Herzen ſie in kindlich zarter Weiſe jede böſe Nachricht zu verdecken ſucht. Befremden kann es zwar nicht, wenn Hoffmeiſter*) ſeiner Auffaſſung gemäß ſagt:„Sonderbar erſcheint es auch, daß ſie dieſer winſelnden Mutter ſo zugethan iſt, während ſie von ihrem hoben, edlen Va⸗ ter nichts verſteht,“ aber befremden muß dieſe Anſicht, wenn man dieſelbe mit einer frühern**) zuſammenſtellt:„Als er zum erſten Mal nach acht Jahren ſeine Tochter wiederſieht, iſt es nicht ſeine Vaterliebe, welche durch die holde Erſcheinung in ihm rege gemacht wird, es iſt nur die tief gewurzelte Ehrſucht, an welche ihn ihr Anblick erinnert u. ſ. w. Kann ſie ein Herz zu ihm faſſen, der ſie nur als ein lang geſpar⸗ tes Kleinod, als die„„höchſte, letzte Münze ſeines Schatzes““ für ſeine egoiſtiſchen Zwecke betrachtet?“ Das Zuſammenſinken endlich bei der Nachricht von Maxens Tod iſt für eine Braut wahrlich nicht Schwäche oder tadelnswerthe Sentimentalität zu nen⸗ nen und an der Ruhe und Stärke, mit der ſie zum Schluſſe ſpricht und handelt, nichts weiter zu tadeln als der zweckloſe freiwillige Tod.***) Beatrice charakteriſirt ſich ſelbſt in den Worten:
„Wo waren die Sinne?
Was hab ich gethan?
Ergriff mich bethörend
Ein raſender Wahn?“
*) a. a. O. IV, p. 59. **α) a. a. O. IV, p. 14. ***) Helbig„Wallenſtein, Für Schule und Haus berausgegeben“ p. 446 nennt bei⸗ der Tod einen ſchönen. 2


