Aufsatz 
Über einige weibliche Charaktere in Schillers Dramen
Entstehung
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Terzky, dieſes ehrſüchtigen, intrignuanten Weibes,*) des verkörperten finſtern Geiſtes, deſſen böſer Rath**) endlich auch den Ausſchlag zur offenen Empörung und ſomit zum Untergange des ganzen Hauſes giebt? Aetheriſch und weſenlos wird ſie ferner ge⸗ nannt.***) Iſt ſie nicht vielmehr weder blutſtrotzend noch bleichſüchtig, ſondern ſchon zu Verſtande gekommen, ia recht realiſtiſch in ihrer Lebensſphäre? Dieſe ihre eigne Le⸗ bensſphäre aber, an welche ihr ganzes Sein gekettet iſt, beſteht in der reinſten, gegen⸗ ſeitigen Liebe zu Max. Und bei allen Hemmniſſen und Verwickelungen zeigt ſie ſich überdies als ein ſtets beſonnenes,ſtarkes Mädchen, als ein wahrhaft feſter Cha⸗ rakter, da ihre Energie auf fleckenloſer Tugend beruht, die eben ſo gleichgiltig von den Lockungen des Ehrgeizes ſich abwendet als ruhig den äußerſten Gefahren entgegentritt. Dem Vollgenuſſe des ſchönſten Liebesglückes, wozu die gemeinſchaftliche Reiſe Gelegen⸗ heit geboten hatte, leiht ſie zwar einen jugendlich begeiſterten, aber keineswegs über⸗ ſpannten Ausdruck, faßt, als ſie im Feldlager erſcheint, auch das bunte Soldatenleben froh in froher Seelenſtimmung auf und tritt gern der heiteren Deutung der Aſtrolo⸗ gie in Maxrens Sinne bei. Als ſie jedoch die Fallſtricke, in welche ſie und Mar ver⸗ wickelt werden ſollen, erkennt, räth ſie dieſem mit kluger Vorſicht die größte Beſonnen⸗ heit an. Und ſelbſt die Umarmung beim Abſchiede iſt eben ſo wenig von Schwärme⸗ rei eingegeben als das elegiſche Lied:Der Eichwald brauſet aus dem Herzen eines liebenden Mädchens, welches Gefahr fürchtet und mit Recht fürchtet. Daß die Tante Terzky ſo etwasſich ihm an den Kopf werfen nennt, hat in dem gegen die Lieben⸗ den geſchmiedeten Plane ſeinen Grund, findet aber in der Erwiderung Theklas die rich⸗ tige Würdigung, wie ſie denn ſolchem Tadel überhaupt ſtets mit Feſtigkeit, faſt mit Trotz begegnet. Als endlich die Terzky ſie drohend auffordert, ſich, wie ſie ſelbſt und die Mutter es thäten, ganz und unbedingt dem Willen und Schickſale des Vaters zu unterwerfen, da nehmen ihre böſen Ahnungen eine faßliche Geſtalt an in den propheti⸗

*) Hoffmeiſter(a. a. O. IV, p. 60) nennt ſie außerdem hochherzig und groß(durch Selſtmord!) endend. Die Beſchoͤnigung des Selbſtmordes iſt immer noch ein be⸗ liebter Artikel in der auf Gebildete aller Stände berechneten Unterhaltungslectüre, in ſocialen Romanen und Tendenzſchriften, z. B. Morel im Grafen von Monte Chriſto und Volksgarten 1864, p. 708. Und wenn Göthe durch ſeinen Werther eine mildere Anſicht über den Selbſtmord von welcher das chriſtliche Mitleid mit ſolchen Unglücklichen gerade himmelweit entfernt iſt hat verbrei⸗ ten helfen, dann können wir ihm dafür mit Roſenkranz(a. a. O. p. 180) wohl nicht dankbar ſein.

**) Wall. Tod I, 7. ***½) Hoffmeiſter a. a. O. IV, p. 57 flgd.