12
Wirken. Ein schöner Zug von Willigis ist die dankbare Gesinnung, die er seinem ersten Wohl- thäter bewahrte. Als nämlich im Jahre 984 Boleslaw von Böhmen dureh List sich Meissens be- mächtigt hatte, vertrieb er, durch den wankelmüthigen Pöbel angereizt, den ehrwürdigen Bischof Volcold aus der Stadt. Dieser begab sich hierauf zu seinem frühern Schützling, ward freundlich von ihm aufgenommen, und in Erfurt, wo er zu wohnen wünschte, aufs beste verpflegt, bis er, nachdem Boleslaw Meissen wieder geräumt, dahin zurückkehren konnte. ¹)
Wenn Willigis nicht sofort als Kanzler eintrat, so ist er es jedenfalls sehr bald geworden, nachdem er bei den Kaisern, die damals in Italien weilten, eingetroffen war. Otto ersetzte da- mals fast zu gleicher Zeit seine beiden Kanzler durch neue. Der eine, Ambrosius, der die Ur- kunden für Italien ausstellte und an Stelle des Erzkanzlers Hubert, Bischofs von Parma, unter- zeichnete, war Bischof von Bergamo geworden, und an seiner Stelle trat Petrus ein, dessen erste Urkunde vom 1. März 971 datirt. Der andere für die deutschen Angelegenheiten, Liudgar, wurde durch Willigis ersetzt. Erzkanzler des deutschen Reichs waren seit Wilhelm, dem Sohne Ottos I, die Erzbischöfe von Mainz. Auf Wilhelm war 958 Hatto und auf ihn 970 Ruotbert gefolgt. In dessen Namen nun unterschrieb Willigis die Urkunden. ²) Es war ein sehr wichtiges Amt und beweist das grosse Vertrauen, das sich Willigis sehr bald erworben haben muss. Der Kanzler war vermöge seiner Stellung an die Person des Königs gefesselt, sein Rath war oft von entschei- dendem Einfluss auf die Entschlüsse des Fürsten, was sich in besonders hervorragender Weise in den Urkunden Hildebalds zeigt, der unter Otto II 977 Kanzler geworden, dieses Amt selbst nach seiner Ernennung zum Bischof von Worms 979 fortführte— allerdings gegen die Regel. Er erscheint als einer der vertrautesten Rathgeber Ottos Il und der Theophano. Willigisens Er- nennung fiel in das Ende des Jahres 970 oder den Anfang von 971; denn die letzte von Liudgar unterzeichnete mir bekannte Urkunde ist datirt vom 3. August 970 Luidgerus ad vicem Roperti' (Leibn. ann. 285) und die erste darauf folgende, die Deutschland betrifft, am 1. December 971 in Ravenna ³) ausgestellt, ist bereits von Willigis unterzeichnet(Willigisus ad vicem Ratberti, vrgl. Sagittarius I, 154). Sie betrifft die Schenkung des Gutes Koteritz an den heiligen Moritz zu Magdeburg. Bis zum Jahr 975 ist nun Willigis als der beständige Begleiter der Kaiser anzu- sehen. Alle Urkunden für Deutschland sind von ihm ausgestellt und unterzeichnet. Sein Name
¹) Thietm. a. g. O. Hoc(die Empfehlung an Otto II) semper iste(Willigis) in animo tenuit, ac maximo honore cognovit, et tunc adprime, cum sibi fuit necesse; et in Erpesfordi, quo ipse desideravit, procurari eundem sumopere iubet. Ibi diu conversatus, post mortem Ricdagi marchionis incliti(985 nach den ann. Quedlinb.) Ekkihardo succedente et Bolizlavo ad propria remeante, sedem propriam revisit. Vrgl. Ann. Saxo P. M. G. VI, 633.
²) Ueber die Kanzler und Erzkanaler unter den Ottonen, vrgl. Ranke Jahrb. des deutschen Reichs I, 2, 98 fl. I, 3, 222 ff. II, 1, 111 ff.—
³) Bei Böhmer: Regesta chronologico-diplomatica regum atque imperatorum Romanorum inde a Con- rado I usque ad Heinricum VII, Frankfurt am Main 1831, No. 381. Die erste Urkunde des Petrus ist vom 1. März 971(Böhmer 380).


