Aufsatz 
Erzbischof Willigis von Mainz in den ersten Jahren seines Wirkens. Geschichtliche Abhandlung
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

Abt des Mauritiusstiftes zu Magdeburg(Chron. Hildesh. c. 10. Ann. Hildesh. z. J. 954) für die Schule eine neue Aera angebrochen war, hatte er Gelegenheit gehabt, sich ausgebreitete Kenntnisse zu erwerben, so dass Volcold, als er auf den Bischofssitz nach Meissen berufen wurde, ihn seinem Zögling Otto II warm empfehlen konnte. ¹) Es war ums Jahr 970 ²), als Willigis an den kaiser- lichen Hof berufen wurde, aber schwerlich als Erzieher und Lehrer ²) Ottos II. Denn dieser, obgleich erst fünfzehn Jahre alt, war damals schon Theilnehmer an den Reichsgeschäften, nach- dem ihn Pabst Johann XIII am Weihnachtsfest 967(Widukind III, 67, P. M. G. III, 465) zum Kaiser gekrönt hatte, und der Vater dachte bereits daran, ihn zu vermählen. Seine eigentliche Erziehung und Bildung darf man also in jener Zeit als vollendet ansehen. Wir müssen deshalb annehmen, dass der Kaiser Willigis auf die Empfehlung Volcolds und die Fürsprache des jungen Otto in seine Capelle aufnahm, die, durch Ottos I Bruder Brun) neu organisirt, die begabtesten Geistlichen in sich vereinigte. Sie bildeten den Rath des Kaisers, und aus ihr gingen dann die geistlichen Würdenträger bervor, die, erfüllt von ächter Frömmigkeit, mit tüchtigem Wissen aus- gerüstet, praktisch durchgebildet, grossen Berufseifer und vor allem unerschütterliche Treue und Ergebenheit gegen das sächsische Königshaus in ihre Diöcesen mitnahmen. Es durchwehte sie ein nationales Bewusstsein, das sie auch gegen zu grosse Abhängigkeit von Rom bewahrte. Wenn auch Willigis nicht mehr Schüler des 965 gestorbenen Brun gewesen ist, so war die Capelle doch noch von seinem Geist erfüllt, und dass auch er ihn in sich aufgenommen habe, zeigt sein späteres

¹) Hune(Willigisum) cum ad eoas ordinaretur regiones, secundo Ottoni, cui magisterio praefuit, dili- genter vice sui habendum commendavit. Thiet. a. g. O.

²) Volcold starb 993(Wachter in Ersch und Gruber Encykl. I Sekt. 46. Theil p. 1 23 chron. Citizense bei Pist. I, 1135) den 23. Aug., nachdem er 23 Jahre den Bischofssitz inne gehabt(sedebat 23 annos Thietm.), er muss also 970 Bischof v. Meissen geworden sein, nachdem sein Vorgünger Burchard, der erste Bischof, den der neue Erzbischof v. Magdeburg Adalbert am Weihnachtsfest 968(Thietm. II, 14 P. M. G. 750, vrgl. auch Pertz Legg. II, 560) geweiht hatte, sehr bald gestorben war. So kam Willigis jedenfalls nach 968 und vor 971 an den Hof, da wir aus diesem Jahr die erste von Willigis als Kanaler unterschriebene Urkunde besitzen. 972 aber erscheint Volcold unter dem Namen Focco als Bischof von Meissen in einer Urkunde vom 17. September. S. unten.

³) So fasste es Leibniz auf, wenn er in Bezug auf die oben angeführte Stelle sagt: puero Ottonis magisterio praefuisse indicat Thietmarus.(Ann. III, 349.) Aber er lässt auch durch einen seltsamen Irrthum Volcold von Willigis zum Meissner Bisthum empfohlen werden(Ann. III, 354). Auch Laurent übersetzt: denn er hatte denselben wie einen Sohn erzogen und ihn, als er für die östlichen Länder zum Bischof geweiht wurde, eifrig zu seinem Nachfolger empfohlen. Das diligenter vice sui habendum commendavit bedeutet wohl nichts weiter, als: er empfahl Otto II den Willigis zu halten wie ihn selbst d. h. ihm eben so viel Achtung und Vertrauen zu beweisen.

4⁴) Vrgl. Ruotgeri vita Brunonis c. 37(P. M. G. 269). Vortrefflich hat dies dargestellt Giesebrecht Geschichte der deutschen Kaiserzeit I 309 ff. Es wird ausdrücklich eine Reihe von Bischöfen als Zöglinge und Genossen Bruns bezeichnet, wie Theoderich, seit 962 Bischof von Metz(Sigeberti Gemblacensis vita Deoderici episc. Mettens. 2 u. 3 P. M. G. IV, 464 und 465), Heinrich, Erzbischof von Trier, nach ihm Egbert, Bruns Neffe Wilhelm, seit 954 Erzbischof von Mainz(vita Brun. 38), Gerard von Toul und Wigfried von Verdun. Vrgl. auch Dönniges in Ranke Jahrb. des deutschen Reichs I, 3, 68 und denselben: das deutsche Reich und die deutsche Reichsverfassung I, 422.

2*