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ad seipsum dixit:„Willigis, Willigis, dedenke vo fan de kummen bist;ze id est de qua progenie. Unde mos inolevit, et inde evenit, quod ecclesia Sancta Moguntina in armis suis rotam portat, similiter in clipeo atque bannerio. Et sic evenit, quod emuli fecerunt viro probo humili et sancto in confusionem, cessit sibi in perpetuum honorem; nam re vera iuxta veritatis sentenciam, qui se humiliat, exaltabitar. Erfordia, que se scribit et nominat dilectam et quodammodo unicam filiam sancte matris Moguntine ecclesie, similiter rotam portat in armis et inprimit in denariis suis.
Die Thüringische Chronik ¹) endlich führt auch die Farben des Wappeus auf Willigis zurück: Da man zcalt nach Christj geburt 1009. da wart eines wagners Sohn, der hiess Wylliges, ein frommer wolgelartter Mann, gekorn zu eynem Bischoffe zu Mentz. Als begundten Ihn die Edeln Thumhern und die andern des Stiffts Manne zu schmehen und hassen, und maleten Ihm ynn sein pallast weysse reder mit kreyden. Und als Ehr den spott gesahe, da liess Ehr eynen gueten Maler ynn alle seyne gemach mitt kostlicher farbe mahlen weysse reder auff rothe wende. Und darmitt ver- legete Ehr Ihren spott, und liess darbey schreyben diesen Reim:„Wylliges gedenk von wannen du kommen bist'’ etc. Also kam es das nach Ihme die Bischoffe zu Mentz alle liesen weysse reder ynn einem rothen felde mahlen. Dieser Bischoff bauete Sanct Albanskirchen uber Mentz. ²)
Diese Erzählung nun von Willigisens Abkunft und dem Ursprung des Mainzer Rades wurde bis ins siebzehnte und achtzehnte Jahrhundert hinein geglaubt und ohne Ausdruck des Misstrauens in die Geschichte aufgenommen. Dabei verwirrte sich z. B. bei Hermann Corner(chronica novella usque ad annum 1435 deducta bei Eccard II p. 566) die Zeitrechnung in wunderbarer Weise. Auch Johannes Latomus nimmt die Sage auf in seinem catalogus Episcoporum et Archi- episcoporum Moguntinensium usque ad annum 1582 bei Mencken III, 477. Er nennt Willigis einen Saxo a Schoenecks nach dem oben angeführten Epitaphium, dessen ersten Vers er aber nicht zu kennen scheint. Von andern nenne ich nur noch die Limburger Chronik. ³) Schon vor- sichtiger sagt Spener in oper. Herald.: monumentum hoc Willigisi esse volunt' und Leibniz in den Annalen verwirft die Sage ganz. ¹)
Vergleicht man die mitgetheilten Stellen mit einander, so sieht man sofort den gemeinschaft- lichen Ursprung trotz der Schattirungen in der Erzählung selbst. Der Kern derselben ist offen-
¹) Adami Ursini, Molybergensis, chronic. Thuringiae vernaculum usque ad annum MCCCCC cum appendicibus de Erfurto et Nordhusa absolutum anno 1547. Bei Mencken scriptores rerum Germanicarum
III, p. 1252.
2) Vrgl. die Erzühlung in den deutschen Sagen, herausgegeben von den Brüdern Grimm. 2. Theil. Berlin 1818 p. 163.
³)„Da auch Willigisus ein Radt zur Erinnerungk seiner Herkumbst und Geschlegts hatt erhoben und gewurdiget, dass er nuhn hinfuhro nit allein in den Pannieren, sondern auch uff der Muntz und zum
Signet oder Sigelung in höchsten Ehren gehalten wird.“(Aus Hontheim hist. Trev. diplom. p. 1056.) Die Chronik geht von 909 bis 1610.
⁴) Ann. p. 350. Initia rotae suae facile Moguntini invenient, cum inquirere volent, et de causa aliquid verisimilius proferent. . 2


