Charakter erscheint als ein durch und durch deutscher, der noch an die Zeiten Heinrichs I er- innert, treu und bieder, kräftig und herb, allem Phantastischen abhold, allzeit die deut- schen Interessen wahrend. Er hat keinen gleichzeitigen Biographen gefunden, und man kann aus den zerstreuten Notizen die Umrisse seines äussern Lebens nur annähernd zusammenstellen; deutlicher tritt sein Wirken aus den Quellenschriftstellern und besonders aus den erhaltenen Ur- kunden seiner Zeit hervor. Die Geschichte des deutschen Reichs kann man vielfach auch seine Geschichte nennen. Daher wuchs, als ich sein Leben und Wirken darzustellen unternahm, un- merklich mir der Stoff unter den Händen an, und ich erkannte bald, dass ich in vorliegender Abhandlung mich nur auf einen Theil seines Lebens beschränken musste, das übrige gesammelte für spätere Zeiten zurücklegend. So wählte ich die ersten Jahre seines Archiepiskopats bis zum Tode Ottos II, ohne mich jedoch in der Schilderung der nicht politischen Wirksamkeit Willigisens genau an diese Eintheilung binden zu können. Den Stoff entnahm ich aus den Annalisten und Chronisten des zehnten und elften Jahrhunderts, wie sie in Pertz monumentis Germaniae histo- ricis und in Fr. Böhmers fontibus rerum Germanicarum Theil I bis III gesammelt sind. Die spätern Chronisten fand ich in den Sammelwerken des Pistorius, Meibom, Mencken, Leibniz fast vollständig zusammen, doch waren mir einige nicht zugänglich. Dann aber muss ich ganz be- sonders der Darstellungen Wilhelm Giesebrechts in Rankes Jahrbüchern des deutschen Reichs unter dem sächsischen Hause, Band II, Abtheilung 1, und desselben Geschichte der deutschen Kaiserzeit, Band I, und der Kaiserregesten Fr. Böhmers für die Urkunden dankbare Erwähnung thun. Monographien von Willigis kenne ich nur zwei, und zwar von der einen nur den Titel: Willigisi vitam et miracula Adolfus Godefridus Volusius tunc temporis chori ferrei Parochus, post Episcopus Diocletianopolitanus et Suffraganeus Moguntinensis, anno 1675 litteris persecutus est; die andere, eine Dissertation aus Münster: De Willigisi Archicancellarii regni Germaniae et archiepiscopi Moguntini vita et rebus gestis commentatio historica; scripsit Ioannes Henricus Ossenbeck 1859 ist nicht frei von manchen Unrichtigkeiten. Eine eingehendere Darstellung widmen Willigis einige Mainzische Schriftsteller, vor allem Serrarius mit den Noten von loannis: Volumen primum rerum Moguntiacarum, quo continentur Nicolaii Serrarii, Societatis Iesu theologi rerum Moguntinensium libri quinque, annotationibus etc. accurante Georgio Christiano Iohannis p. 449 ff. und F. Werner: der Dom von Mainz 1836 Band I. Auch aus Ioannis Latomi Catalogus episcoporum et archiepiscoporum Moguntinensium usque ad a. 1582 bei Mencken scriptores rerum Germanicarum III, 478 konnte ich einiges benutzen.
Aufsatz
Erzbischof Willigis von Mainz in den ersten Jahren seines Wirkens. Geschichtliche Abhandlung
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