Aufsatz 
Erzbischof Willigis von Mainz in den ersten Jahren seines Wirkens. Geschichtliche Abhandlung
Entstehung
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Za den hervorragendsten Erscheinungen der an bedeutenden Charakteren so reichen Epoche der deutschen Regenten aus dem sächsischen Hause verdient mit Recht Willigis, Erzbischof von Mainz und Erzkanzler des deutschen Reichs gerechnet zu werden. Aus geringem Stande durch seiner Fürsten Gunst und eignes Verdienst rasch empor gehoben, hat er als erster deutscher Kirchenfürst über ein Menschenalter einen höchst bedeutenden Einfluss ausgeübt. Vier deutschen Königen hat er gedient, Deutschlands grösster Monarch hat ihn seines Vertrauens ge- würdigt, sein Sohn, der zweite Otto, hat den treuen Kanzler auf den höchsten deutschen Kirchen- stuhl gesetzt, den kurz zuvor der eigne Oheim inne gehabt. Bald erhielt er Gelegenheit, seine Treue gegen das Königshaus zu beweisen, als dem jungen unmündigen Sohne seines Herrn, Otto III, von den eignen Verwandten Gefahr drohte. Willigis gebührt vor allen der Ruhm, ihm die Krone und vielleicht das Leben erhalten zu haben, durch seine unerschütterliche Treue, durch

seine mannhafte Festigkeit, durch den Einfluss seiner Stellung und die Achtung vor seiner Per- sönlichkeit im ganzen Reich. Dann hat er den beiden kaiserlichen Vormünderinnen, der Mutter und Grossmutter des kleinen Königs kräftig zur Seite gestanden, er hat mit ihnen vereint die Zügel des Reichs geführt, er hat eine Reihe von Jahren die Geschicke Deutschlands geleitet und dies war gut berathen unter seiner Leitung. Er überwachte die Jugend seines Herrn, er geleitete ihn zur Kaiserkrönung nach Rom und führte dem römischen Stuhle den ersten deutschen Pabst zu, den sein Scharfblick als den tauglichsten und tüchtigsten zu dieser höchsten kirchlichen Würde erkannt hatte. Der Kaiser starb in der Blüthe der Jugend; es war wieder Willigis, der durch die Wahl und Krönung Heinrichs II, des Sohnes seines frühern Gegners, dem sächsischen Hause die deutsche Königskrone erhielt. Und auch diesen unterstützte des hochbetagten Erzbischofs erfahrener Rath; auch ihm hat Willigis durch sein Ansehen wichtige Dienste geleistet. So führte er ein bedeutungsreiches politisches Leben. Aber auch das kirchliche Amt handhabte er mit Eifer und Einsicht. Nach allen Seiten hin erstreckte sich seine Sorgfalt, sein Einfluss. Eine ganze Reihe von Bischöfen ist von seiner Hand geweiht, von ihm in die Pflichten ihres Amtes einge- führt worden. Er überwachte das kirchliche Leben, führte pflichtvergessene Priester mit uner- bittlichem Ernst zur Pflicht zurück, ohne Ansehen der Person, und sollte er sich selbst den Wünschen seines eignen Herrn entgegen setzen. Wir sehen ihn als deutschen Bischof dem römi- schen Pabste fest und selbst starr gegenüber treten. Auch den frischen Keimen, die in Wissen- schaft und Kunst damals hervorsprossten, wendet er seine Aufmerksamkeit zu, und manche kirchliche und andere Bauten sind durch ihn gegründet und gefördert worden. Sein ganzer