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gehörten viele Schulmeiſter, die ihr Vermögen auf zehn Gulden angaben. Ihnen allen wurde bedeutet, binnen 8— 14 Tagen ihre geſchäftlichen Verpflichtungen zu erledigen und nach Erlegung des Abzugs⸗ geldes— 10% des Vermögens— die Stadt zu verlaſſen. Auf dieſelbe Art wurden die Verhand⸗ lungen mit den übrigen Juden weiter geführt, und ſie zogen ſich bis Auguſt nächſten Jahres hin; oft war es nicht leicht, einen Vergleich zwiſchen Schuldner und Gläubiger herbeizuführen, wenn auch Weitz keinerlei Druck auf die Juden ſcheute, um ſie gefügig zu machen. Üübrigens erwieſen ſich für ihn ſowohl als für Fettmilch, Sauer und Gerngroß dieſe Abwickelungen als ſehr einträglich, da ſie von Chriſten und Juden unter dem Verſprechen, ihre Sache zu fördern, in gleicher Weiſe Geld erpreßten.*)
Die vertriebenen Juden hatten ſich inzwiſchen Klage führend an die Kommiſſarien gewandt. Dieſe ließen die Rechtfertigungsſchreiben des Rates nicht gelten, ſondern ſchickten wieder ihre Subdelegirten nach Frankfurt, damit ſie durch perſönliches Dazwiſchentreten den Ausſchuß von übereilten Beſchlüſſen zurückhielten. Sie beſchieden gleich nach ihrer Ankunft am 23. Juli den Rat und den Ausſchuß zu ſich, und indem ſie ihnen den Bruch des Bürgervertrages vorhielten, übergaben ſie beiden Körperſchaften Schreiben des Kaiſers. In dem Schreiben an den Rat befahl Mathias, alle künftige Weiterung gegen Juden und Chriſten zu verhüten, die 60 Ausgewieſenen ohne Entgelt wieder aufzunehmen und bis zur Beſtätigung des Bürgervertrags keine Neuerungen zu machen. Bezeichnender Weiſe nennt er die Juden kaiſerliches Kammergut. Eine weit ſchärfere Tonart ſchlug der Kaiſer gegen den Ausſchuß an. Ihm warf er geradezu Ungehorſam und Unbotmäßigkeit vor und befahl ihm bei hoher Strafe an, der Wiedereinführung der Juden nichts in den Weg zu legen.
Die kaiſerlichen Schreiben wurden ſehr verſchieden aufgenommen. Der Rat war in peinlichſter Ver⸗ legenheit, wie er ſich dem Kaiſer gegenüber verantworten ſollte,„damit man ſich einerſeits an Ihro Majeſtät nicht vergreife, andererſeits bei den Nachkommen keinen Verweis haben möchte, als ob man der Stadt etwas an ihren Privilegien vergebe.“ Einſtweilen ſchickte er dem Kaiſer ein ſophiſtiſches Recht⸗ fertigungsſchreiben, das in ſehr unterwürfigem Ton gehalten war. Der Ausſchuß hingegen ließ ſich nicht im geringſten einſchüchtern. Er gab vielmehr unter dem Titel:„Urſachen und Bedenken, warum die Juden zu Frankfurt gänzlich abzuſchaffen ſeien“, eine Schrift heraus, in der er dem Kaiſer das Recht ſtreitig machte, die Juden Frankfurts ſein Kammergut zu nennen und ſich in ihre Angelegenheiten zu miſchen. Mitte Auguſt überreichte er dem Rat eine höchſt umfangreiche Eingabe, die faſt als eine offene Kriegs⸗ erklärung gegen den Kaiſer und die Kommiſſarien anzuſehen war und aufs energiſchſte die Entfernung der Juden verlangte. Daß der Rat dem Kaiſer überhaupt ein Rechtfertigungsſchreiben hatte zugehen laſſen, verſetzte die Häupter des Ausſchuſſes in Ingrimm. In maßloſen Ausdrücken warf Fettmilch dem Rat vor, daß er dadurch ſeine Pflicht als Obrigkeit ſchwer verletzt habe, und drohte, man werde ſchon diejenigen Ratsleute, welche ſich läſſig gezeigt hätten, zur Verantwortung ziehen.
Aber der Rat hatte doch zu große Furcht vor dem Unwillen des Kaiſers, der ſich noch in mehreren Schreiben offenbarte, als daß er trotz Fettmilchs und Weitzens Drängen gewagt hätte, die Vertreibung der Juden ins Werk zu ſetzen. Sogar die Moderation brachte er einſtweilen zum Stillſtand; auch die Beſchickung des Reichstags zu Regensburg durch jüdiſche Geſandte, die er früher verboten hatte, geſtattete
*) Die aufſtändiſche Bewegung blieb jetzt nicht auf die Stadt beſchränkt, ſondern verbreitete ſich auch über das platte Land. Jedes zu Frankfurt gehörige Dorf hatte ſeinen Ausſchuß, eine Karikatur des ſtädtiſchen. Die Bauern glaubten die Zeit für gekommen, wo man die Juden als vogelfrei behandeln dürfe; ſie überfielen ſie auf offener Landſtraße und mißhandelten ſie gröblich. Es kam ſo weit, daß der Rat, um das Außerſte zu verhüten, zu ihrem Schutze eine militäriſche Beſatzung in die Dörfer legen mußte.


