Aufsatz 
Die Schicksale der Juden zu Frankfurt a.M. während des Fettmilchschen Aufstandes / Isidor Kracauer
Entstehung
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er nun. Um es aber andrerſeits mit dem Ausſchuß nicht ganz zu verderben, erließ er eine Reihe von Verordnungen, die jeden Zweifel an ſeiner judenfeindlichen Geſinnung niederſchlagen ſollten. So unter⸗ ſagte er ihnen, zum Laubhüttenfeſte grünen Schmuck für ihre Hütten aus dem Stadtwald zu holen und an chriſtlichen Feiertagen und am Sonntag zu waſchen und zu ſchächten, da alles dieſes nichtohne merkliche Offenſion chriſtlicher Gemüter vorgenommen würde; auch das Spazierengehen in der Stadt ward ihnen verboten. Vor allen Dingen aber wurden ſie in materieller Hinſicht empfindlich geſchä⸗ digt. Ein Theil der Schuldner weigerte ſich überhaupt zu zahlen; andere wieder wollten nicht die im Bürgervertrag feſtgeſetzten Zinſen entrichten. Es kam zu langwierigen Proceſſen, die das Schöffengericht freilich zu Gunſten der Juden entſchied. Da niſchte ſich aber Weitz in die Angelegenheit. Nachdem die Juden ſeinen Vorſchlag, ihnen gegen eine hohe Summe Geldes zu ihrem Rechte zu verhelfen, abermals abgelehnt hatten, trat er als Anwalt der Schuldner auf und ſetzte durch, daß die Proceſſe vor das Reichskammergericht verwieſen wurden, wo ſie ſich natürlich mehrere Jahre hinſchleppten, ohne daß die Juden zu dem Ihrigen kamen. Hingegen hielt die Schuldenkommiſſion unnachſichtig darauf, daß dieſe ihre etwaigen Schulden an chriſtliche Gläubiger pünktlich bezahlten. Die natürliche Folge davon war, daß die jüdiſche Gemeinde immer mehr verarmte und kaum der Stadt Schatzung und Hauszins zahlen konnte. So ſchloß für die Juden das Jahr 1613 mit trüben Ausſichten für die Zukunft.

IV.

Am 7. Januar des neuen Jahres ſchickte Mathias endlich die Beſtätigung des Bürgervertrages ein. Der bewußte Artikel 22 war dahin abgeändert worden, daß der Rat mit Zuziehung der Neuner und Siebener bezüglich der Juden eine gewiſſe Ordnung machen und dem Kaiſer davon Kenntnis geben ſollte.

Nach feierlicher Verleſung des Bürgervertrags im Römer teilten die Subdelegierten noch eine kaiſer⸗ liche Botſchaft mit. Alle, die in Zukunft gegen die Obrigkeit aufreizen und Unruhe ſtiften würden, waren darin mit dem Verluſt ſämtlicher Freiheiten und Güter bedroht. Zugleich wurde eine ſtrenge Unterſuchung gegen diejenigen angekündigt, die im verfloſſenen Jahre dem Bürgervertrag zuwider gehandelt hätten. Dieſe Ankündigung verſetzte ſowohl Rat als Bürgerſchaft in große Beſtürzung; ſelbſt die verwegenſten Aufrührer begannen ängſtlich zu werden, ſuchten aber ihren Kleinmut durch Drohungen gegen den Rat zu verhüllen. Die radikale Partei ſtellte ein allgemeines Blutbad in Ausſicht, falls er die Unterſuchung zuließe. Aber auch der Rat wollte, ſo gerne er den Rädelsführern ihre Strafe gegönnt hätte, von einer direkten Einmiſchung der kaiſerlichen Gerichtsbarkeit nichts wiſſen, denn. dies verſtieß gegen das alte Privileg, daß Frankfurter Bürger nur vor einheimiſche Gerichte geſtellt werden durften. In dem Widerſtand gegen die Unterſuchung kamen ſich alſo Ausſchuß und Rat auf halbem Wege entgegen, und die beiden feindlichen Gewalten ſchloſſen deshalb am 15. Januar 1614 den ſogenannten Kompromiß, in dem der Rat erneute Zugeſtänd⸗ niſſe betreffs der Verwaltung machte, die Bürgerſchaft aber eidlich gelobte, ihm als Obrigkeit den ſchul⸗ digen Reſpekt und Gehorſam zu leiſten. Da nun die ſtreitenden Parteien ausgeſöhnt ſchienen, verſprachen die Subdelegierten höheren Orts die Einſtellung der Unterſuchung befürworten zu wollen. So ſchienen endlich die Wolken, die ſo lange unheildrohend über der Stadt gelegen hatten, verſchwinden zu wollen. Unter Kanonendonner und feſtlichem Dankgottesdienſt feierte man am 3. Februar die Verſöhnung.

Aber der Friede war ein trügeriſcher. Die radikale Partei erholte ſich bald von ihrer Betäubung und fand den früheren Trotz wieder. Jetzt, wo ſie die Niederſchlagung der Unterſuchung durchgeſetzt hatte,

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