Aufsatz 
Die Schicksale der Juden zu Frankfurt a.M. während des Fettmilchschen Aufstandes / Isidor Kracauer
Entstehung
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wird der Allerhöchſte einen ſüßen Geruch empfangen, und die Engel werden darüber frohlocken, und die heilige Dreifaltigkeit wird dem Kaiſer Glück und Wohlfahrt verleihen.

Der Kaiſer ſchien jedoch wenig Luſt zu haben, den ſo verlockenden Lohn zu erwerben. Ohne einen Beſcheid zu geben, verließ er ſchon am 23. Juni die Stadt, wo ihm der Aufenthalt durch die Zwiſtig⸗ keiten zwiſchen Bürgerſchaft und Rat verleidet ſein mochte. Dieſer hatte ſelbſtverſtändlich in einer Gegen⸗ ſchrift alle erhobenen Beſchuldigungen zu entkräften geſucht. Privilegien ſolle er veröffentlichen? Als ob ſie nicht von jeher bekannt wären. Die Zahl der Juden ſolle er verringern? Als ob darüber geſetzliche Beſtimmungen vorhanden ſeien. Und wer zwänge denn die Bürger, von den Juden zu leihen und ihnen den durch die Reichsgeſetze beſtimmten höheren Zins zu zahlen? Er habe den Bürgern Geld zu 5% angeboten, doch jeder zöge vor, heimlich von den Juden zu leihen, um ſeinem Credit nicht zu ſchaden. Zum Schluß erſuchte der Rat den Kaiſer, geeignete Maßregeln zu treffen, da ſonſt das Gebahren der Zünfte leicht zu einem Aufſtand führen könne. Dieſe Schrift wurde dem kaiſerlichen Kanzler Pucher zu⸗ geſtellt, der nach Mathias' Abreiſe zur Schlichtung des Streites zurückgeblieben war.

Pucher mußte offenbar dieſe Auseinanderſetzungen für völlig zutreffend halten, denn er übergab die Verteidigungsſchrift den Zünften mit der Mahnung, ſich gegen die Obrigkeit alles gebührenden Gehorſams zu befleißigen und die kaiſerliche Majeſtät nicht unnötiger Weiſe zu behelligen.

Des Kanzlers Mahnungen fielen auf keinen günſtigen Boden, vielmehr wuchs die Erbitterung in bedrohlichem Maße, da man aus der Schrift die Abſicht des Rates herauslas, die Bürgerſchaft beim Kaiſer anzuſchwärzen. Der Pöbel rottete ſich vor dem Römer zuſammen und ſtieß Drohungen gegen die Obrigkeit aus; doch behielten noch die beſonneneren Elemente die Oberhand. Sie ſetzten die Wahl eines mit un⸗ bedingter Vollmacht ausgeſtatteten Ausſchuſſes durch, der die Forderungen der Bürgerſchaft auf geſetzlichem Wege vertreten ſollte. Der Ausſchuß beſtand aus 130 Mitgliedern, darunter Zünftige und Unzünftige und verſchiedene niederländiſche reformierte Kaufleute, die ſich mit voller Leidenſchaft der Bewegung an⸗ geſchloſſen hatten, da ihnen ja bisher alle politiſchen und religiöſen Rechte vorenthalten wurden. Welche Stellung nahm nun der Rat gegen dieſe neue verfaſſungswidrige Volksvertretung ein? So unbequem ihm auch der Ausſchuß ſein mußte, wagte er nicht, ſeine Auflöſung zu fordern, aber er zeigte auch keine Neigung, offen und frei mit ihm zu verhandeln und auf deſſen berechtigte Wünſche einzugehen. Durch alle möglichen Winkelzüge, wohl auch durch Gewähren einzelner Forderungen, ſuchte er den drohenden Sturm zu beſchwören. Aber ohne Erfolg. Die Bürgerſchaft wurde bald der langen Berhandlungen über⸗ drüſſig. Sie drang am 3. Juli gewaltſam in den Römer und forderte die Herausgabe der Privilegien. Da wich der Rat der Gewalt und verſprach, ſie am andern Morgen dem Ausſchuß zur Einſicht vorzu⸗ legen, auch wolle er die Rechneikaſſe anweiſen, den Bürgern Geld auf Pfänder vorzuſtrecken. Die Er⸗ ledigung der Judenfrage hingegen ſtellte er ganz in das Belieben des Kaiſers. Der Ausſchuß erklärte ſich damit einverſtanden; doch jetzt zeigte es ſich, daß er ſchon nicht mehr Herr der Bewegung war. Die Maſſe des Volks war nicht ſo leicht zu beruhigen; ſie hatte ihre Macht kennen gelernt und wollte ſie ausnützen. Wenn der Rat damals dem Kaiſer ſchrieb:Man hat uns das Schwert aus der Hand ge⸗ ſchlagen, ſtößt ſtarke Drohungen gegen uns aus u. ſ. w., ſo gab er ein zutreffendes Bild ſeiner Lage. Zuſammenrottungen vor dem Römer ſtanden von jetzt ab auf der Tagesordnung; die Bürger beſetzten eigenmächtig die Wälle, zogen nachts in Patrouillen durch die Stadt, kurz, geberdeten ſich ganz ſo, als ob ſie eines Überfalls der Ratsſöldner gewärtig ſein müßten. Aber mit Waffengewalt gegen die Bewegung einzuſchreiten, lag dem Rat durchaus fern; er entſchloß ſich vielmehr zu einem höchſt unpolitiſchen Schritte, der ſeine völlige Faſſungsloſigkeit kundgab. Am 7. Juli erklärte er, das Regiment niederlegen zu wollen,